Alt - Borkum Der Strand um 1901 Der Strand um 1883
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Im folgenden lustigen plattdeutschen Beitrag erfahren Sie auch, warum ein Gebiss auf der Straße liegen bleibt.
Kusen un Tannen Kusen un Tannen
Jan Schneeberg
Hinweis: Da auch die plattdeutsche Sprache - wie grundsätzlich jede Sprache - oft erst sinnentnehmend erschließbar wird, wurden zum besseren Verständ- nis der Sprachbildung an speziellen Stellen eine fast wörtliche Übersetzung von Teilsätzen und Begriffen innerhalb runder Klammern ( .. ) aufgezeigt.
Sprachausgabe des plattdeutschen Textes!
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Kusen un Tannen
Zähne
Dat Kouwark, de Tannen un Kusen, komen mit Pien un gahn mit Pien.
Das Gebiss, die Zähne, kommen mit Schmerzen und gehen mit Schmerzen.
As de Melktannen drut fallen, man so off mit ein bitje Hülpe, seggt man tegen de Lüttjen:
Wenn die Milchzähne rausfallen, so oder mit ein wenig Hilfe, sagt man zu den Kleinen:
Daar Muus, hest ein olde Kuse, geev mi ein neeje weer, dej mi neit kellt, dej mi neit swellt, dej mi neit sehr deit, dej mi sien Levend un Dag neit weer tau de Mund utgeiht.
Da Maus, hast einen alten Zahn, gib mir einen neuen wieder, der mir nicht schmerzt, der mir nicht schwillt, der mir nicht weh tut, der mir lebenslang nicht wieder aus dem Mund rausgeht.
As dej Lüttjen de erste Tannen kriegen, bin seej meisttied ein bitje verkolden:
Wenn die Kleinen die ersten Zähne bekommen, sind sie sehr oft erkältet.
Lüttej Kinder halen de Tannen dör de Borst.
Kleine Kinder holen die Zähne durch die Brust.
Dat bin Melktannen off Musetannen: Du musst mit de Melktannen versichdeg wesen, du hest so gau kein andern weer.
Das sind Milchzähne oder Mausezähne: du musst mit den Milchzähnen vorsichtig sein, du hast so schnell keine anderen.
Tannen bin dej, dej vörn in de Mund sitten, Kusen sitten achtern - hoogdüts Backenzähne. _______________
Auf Plattdeutsch sind „de Tannen“ vorne, die Backenzähne sitzen hinten. _______________
Frauger leipen völ olde Lü sünder Tannen un Kusen in de Mund un de Naber see: heej kann noch so even Botter in sien Mund smellten laaten.
Früher liefen viele Leute ohne Zähne im Mund und der Nachbar sagte: er kann noch eben Butter in seinem Mund schmelzen lassen.
Heej ett bloot noch Puppkebreej. Mutt dat all noch so wegmummeln.
Er isst nur noch Puppenbrei. Muss das alles nur noch so wegmummeln.
Ein Gebitt was meisttied peperdür.
Ein Gebiss war meistens sehr, sehr teuer.
Un dej Lü, dej noch gaud up Stee wassen, hebben seggt: Ik hebb noch gaude Tannen, Tannen as ein Peerd. Ik kann wall ein Spieker de Kopp offbieten.
Und die Leute, die noch gut in Ordnung waren, haben gesagt: Ich habe noch gute Zähne. Zähne wie ein Pferd, ich kann wohl bei einem Nagel den Kopf abbeißen.
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Spreekwoorden:
Sprichwörter:
Nu steihst du da mit de Beck vull Tannen - mit ander Woorden: hülpelos.
Nun stehst du da mit dem Mund voller Zähne – mit anderen Worten – hilflos.
Heej kout mit lange Tannen - dat Eeten lüst hum neit.
Er kaut mit langen Zähnen – das Essen schmeckt ihm nicht.
Ik wies hum de Tannen - wehr di!
Ich zeige ihm die Zähne - wehr dich!
Du musst de Tannen tausamen bieten - tapfer wesen, besünders in sture Tieden.
Du musst die Zähne zusammen beißen – tapfer bleiben, besonders in schlechten Zeiten.
Daar kann heej sück de Tannen an utbieten - daar waart heej haast neit mit klar.
Da kannst er sich die Zähne dran ausbeißen - da wird er fast nicht mit fertig.
Wat bin de Nöten tegenwordeg hart, see de Aape, daar harr heej kein Tannen mehr.
Was sind die Nüsse gegenwärtig hart, sagte der Affe, da hatte er keine Zähne mehr.
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Döntje:
Eine kleine lustige Geschichte:
In Oostfreisland, in de Benaate van Esens, fahrt Wilma, ein Burinske, mit de Bus um Bösskuppen.
In Ostfriesland, in der Nähe von Esens, fährt Wilma, ein Bäuerin, mit dem Bus zum Einkauf.
As dat weer taurügg geiht, mutt Wilma heil gau lopen, anders fahrt de Bus hör vör de Nöse weg. Mit vulle Taskenis Wilma an't fleigen.
Als das wieder zurück geht, muss Wilma ganz schnell laufen, sonst fährt ihr der Bus vor der Nase weg. Wilma flitzt mit vollen Taschen.
De Busfahrer sücht dat un röppt: Langsam an, anders liggen ji noch futt up de Strate.
Der Busfahrer sieht das und ruft: Langsam, sonst liegen Sie noch gleich auf der Straße.
Un daar is uk all gebört: Wilma liggt platt an de Grund, de heile Saken um hör tau.
Und da ist es auch schon passiert: Wilma liegt flach auf der Erde, die ganzen Sachen drum herum.
Man dej ander Mitfahrers helpen düchdeg mit bi't Insammeln, un na ein kaart Sett sitt Wilma weer in de Bus tau pusten, um hör tau all dat, wat seej inkofft hett.
Aber die anderen Mitfahrer helfen tüchtig mit beim Einsammeln, und nach einer kurzen Zeit sitzt Wilma im Bus zu pusten, um sie herum alles das, was sie eingekauft hat.
Man nu kummt noch de Busfahrer un röppt hör tau:
Aber jetzt kommt noch der Busfahrer und ruft ihr zu:
"Beste Frou, seej hebben noch wat verloren! Daar liggt noch hör Gebitt up Strate!"
„Beste Frau, sie haben noch was verloren! Das liegt noch ihr Gebiss auf der Straße!“
Man Wilma bölkt taurügg:
Aber Wilma brüllt zurück:
"Dej hört mi neit, dat is dat Gebitt van mien Mann, dej nehm ik hum alltied weg, anders frett heej mi in Huus de heile Mettwurst up!"
„Das gehört mir nicht, das ist das Gebiss von meinem Mann, das nehme ich ihm immer weg, sonst frisst er mir im Haus die ganze Mettwurst auf!“
T O P T O P Borkum Borkum
Kouwark
Gebiss
Pien
Schmerz
kellt
langanhaltend schmerzen
swellt
angeschwollen, sehr - schmerzhaft
verkolden
erkältet
Borst
Brust
so gau
schnell
frauger
früher
sünder
ohne
schmellten
schmelzen
Puppkebreej
Kinderbrei
peperdür
wörtlich: pfefferteuer, das eingeführte Gewürz war sehr teuer
Spieker
Nagel
tegenwordeg
heute, Jetztzeit
Benaate
Nähe
Burinske
Bäuerein
röppt
rufen
futt
gleich
gebört
passiert
kaart
kurz
inkofft
eingekauft
bölken
laut rufen
heile
ganze
Woordverklaren
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