Alt - Borkum Der Strand um 1901 Der Strand um 1883
Ebene 4
Im folgenden plattdeutschen Beitrag erfahren Sie, warum die immer zur Hilfe bereiten Erdmännchen in der heutigen Zeit nicht mehr da sind.
De Eerdmanntjes De Eerdmanntjes
Jan Schneeberg
Hinweis: Da auch die plattdeutsche Sprache - wie grundsätzlich jede Sprache - oft erst sinnentnehmend erschließbar wird, wurden zum besseren Verständ- nis der Sprachbildung an speziellen Stellen eine fast wörtliche Übersetzung von Teilsätzen und Begriffen innerhalb runder Klammern ( .. ) aufgezeigt.
Sprachausgabe des plattdeutschen Textes!
Start der Sprachausgabe: Mausklick auf das obige Dreieck
Eine Sprachausgabe des plattdeutschen Textes erfolgt demnächt!
De Eerdmanntjes
Die Erdmännchen
Seej seihn ut as lüttje Mensken. Seej hebben ein allemachdeg grote Kopp mit völ Haaren drumtau, lange Arms, dünne un krumme Beinen, man seej bin uk allemachdeg krachdeg. Meisttied hebben seej ein kaarte rode Jäckert an un ein greune Büx, up de Kopp ein rode off witte Troddelmütze un alltied in de Büxentaske ein lüttjet Mess.
Sie sehen aus wie kleine Menschen. Sie haben einen gewaltig großen Kopf mit viel Haaren drumherum, lange Arme, dünne und krumme Beine, aber sie sind auch gewaltig kräftig. Meistens haben sie eine kurze rote Jacke an und eine grüne Hose, auf dem Kopf eine rote oder weiße Troddelmütze und immer in der Hosentasche ein kleines Messer.
Hör Tauhuus is under lüttje Höchten off under ein Steinbüllte. S'nachts komen seej vandag, um buten tau spölen un tau danzen. Bi vulle Maane kummt de Waske na buten, um tau drögen. Is de Winter lang un kolld, sücht man hör faak up Iis tau sköveln bit in de frauge Mörgen.
Ihr Zuhause ist unter kleinen Erhöhungen oder unter einem Steinhügel. In der Nacht kommen sie hervor, um draußen zu spielen und zu tanzen. Bei Vollmond kommt die Wäsche nach draußen, um zu trocknen, ist der Winter lang und kalt, sieht man sie auch oft auf dem Eis Schlittschuh laufen bis in den frühen Morgen.
Satt ein Menske in de Kniep, was ziek off benaut, kunn heej na de Plytenbarg bi Leier gahn, dreejmal de Kopp un Liev na beneden daun un raupen: "Eerdmanntje, Eerdmanntje, help mi! Kumm na mien Huus, ik bee di!" Dann kwammen dej Lüttjen heil wiss, hulpen de Mensken ut de Nood, hebben Froulü, Mannlü un Veeh weer gesund makt.
Saß ein Mensch in der Bredouille, war krank oder ängstlich, konnte er zum Plytenberg bei Leer gehen, dreimal den Kopf und Leib nach unten tun und rufen: " Eerdmanntje, Eerdmanntje, hilf mir! Komm zu meinem Haus, ich bitte dich!" Dann kamen die Kleinen ganz bestimmt, halfen den Menschen aus der Not, haben Frauen, Männer und Vieh wieder gesund gemacht.
Nu fragen ji Menskenkinder heil wiss: waar bin de Eerdmanntjes vandage? Man kunn hör seker noch faak bruken in disse malle Tieden!
Nun fragt ihr Menschenkinder ganz bestimmt: wo sind die Erdmännchen heutzutage? Man könnte sie sicher noch oft gebrauchen in diesen schrecklichen Zeiten!
Warum de Eerdmanntjes neit mehr in unse Benaate bin, dat kwamm so: Vör Jahr un Dag leevde in de Benaate van de Plytenbarg ein gitzege Buur. De Lü neumden hum Klaas Knieptang .
Warum die Erdmännchen nicht mehr in unserer Nähe sind, das kam so. Vor vielen Jahren (vor Jahr und Tag) lebte in der Nähe des Plytenberges ein geiziger Bauer. Die Leute nannten ihn Klaas Kneifzange.
Ut de Eems hett heej ein Fiss druthaalt, dej glimmde van Gold un Sülver. Un de Fiss kunn proten:
Aus der Ems hat er einen Fisch rausgeholt, der glitzerte von Gold und Silber. Und der Fisch konnte sprechen.
Wenn de Buur hum freejlaten dee, wull heej hum verraden, waar de grote Riekdoom van Könek Radbod lagg. Heej brukde bloot de Slötels un de Fock van de Könek van de Eerdmanntjes an sück rieten.
Wenn der Bauer ihn freiließ, würde er ihm verraten, wo der große Reichtum von König Radbod lag. Er brauchte nur die Schlüssel und die Brille des Königs von den Erdmännchen an sich reißen.
De Buur hett seggt, heej harr ein sware Krankte un de Könek van de Eerdmanntjes um Hülpe raupen. Daar hett heej sück up de Luur leggt, de lüttje Keerlke grepen un hum vermoord. Achteran hett heej hum de Slötel un de Fock offnomen.
Der Bauer hat gesagt, er hätte eine schwere Krankheit und den König von den Erdmännchen zur Hilfe gerufen. Dort hat er sich auf die Lauer gelegt, das kleine Kerlchen gegriffen und ihn ermordet. Hinterher hat er ihm die Schlüssel und die Brille abgenommen.
De Eerdmanntjes hebben lang up hör Könek luurt, man heej kwamm neit weer.
Die Erdmännchen haben lange auf ihren König gewartet (gelauert), aber er kam nicht wieder.
De Buur hett de Riekdoom funden un up sien Peerdewagen packt. Dann in vulle Fahrt up Huus an. Man kaart vör ein Brügg kwammen de Waterkeerls ut de Deipte un hebben de Peerden verschrikkt. De Buur kunn sien Gespann neit holden.
Der Bauer hat den Reichtum gefunden und auf seinen Pferdewagen gepackt. Dann in voller Fahrt nach Haus. Aber kurz vor einer Brücke kamen die Wasserkerle aus der Tiefe und haben die Pferde erschreckt. Der Bauer konnte sein Gespann nicht halten.
All mitnander - de Buur, sien Peerden un dat heile Gold un Sülver - bin in't Water undergahn.
Alle zusammen - der Bauer, seine Pferde und das ganze Gold und Silber - sind im Wasser untergegangen.
Hau is't in de Wereld mögelk? Wat könen enkelde, kwade un lelke Lü, Dwarskoppen un Tegenkravers uk all verneilen.
Wie ist es in der Welt möglich? Was können einzelne böse Leute, Querköpfe und Querulanten alles zunichte machen (kaputt machen).
T O P T O P Borkum Borkum