N_Turm
strahl_N_Turm

Der folgende plattdeutsche Beitrag beschreibt in lustiger Form und voller Einzelheiten den unerwarteten Verlauf eine Weihnachtsfeier.

Hinweis: Da auch die plattdeutsche Sprache - wie grundsätzlich jede Sprache - oft erst sinnentnehmend erschließbar wird, wurden zum besseren Verständnis der Sprachbildung an speziellen Stellen eine fast wörtliche Übersetzung von Teilsätzen und Begriffen innerhalb runder Klammern ( .. ) aufgezeigt.

Borkum_WP2
fahne_alt_borkum_1
mast_Banner_200_Sl
klaasohm_1
borkumerin_1

De Wiehnachtsboomständer

 

De Wiehnachtsboomständer
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
 

 

Der Weihnachtsbaumständer
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
 

T’was ein paar Dage vör Wiehnachten,  daar funn ein Vader up Böhn in de Hauk ein staffolde Wiehnachtsboomständer, vull mit Stoff un neit mehr heil in de Riege. Dat was ein besünder Dingereis mit ein Motor tau draien un ein ingeboude Spölwalze mit „O du fröhliche“. Dat muss de Wiehnachtsboomständer wesen, waar Oma alltied van vertellde un seej was seker heil bliede, wenn heej dat Ding ein bitje upklütern un sück Heiligavend dreihen de.
 

 

Es war ein paar Tage vor Weihnachten, da fand ein Vater auf dem Dachboden in der Ecke einen uralten Weihnachtsbaumständer, voll mit Staub und nicht mehr ganz in Ordnung. Es war etwas Besonderes, mit einem Motor zum Drehen und eine eingebaute Spielwalze mit „O du fröhliche“. Das musste der Weihnachtsbaumständer sein, wovon Oma immer erzählte und sie war sicher sehr froh, wenn er das Ding etwas überholte und es sich Weihnachten drehte.
 

Nu satt Vader haast elke Avend in de Warkstee tau knüsseln. Skon maken un ein neeje Feere,  dat was ein düchdeg Geknauje. Dör dicht un nix de andern vertellen. Un dat dürde neit lang, daar leip dat Ding weer un sagg ut as Neej. As de Heiligabend kwamm, wull heej gein Hülpe. Heej sülvst haalde ein Boom van 2 m Höchte, echte Keerzen kwammen d’r an, dicke Kugels un Engelshaar un Lametta un lecker Slickergaud un ander Biwark. Boven in de Tippe hung de Steern van Bethlehem un lüttje dicke Engels bummelten drumtau. Nu kunn de Fier begünnen.
 

 

Nun saß Vater fast jeden Abend in der Werkstatt zu fummeln. Sauber machen und eine neue Feder, das war ein tüchtige Quälerei. Tür zu und den anderen nichts erzählen. Und es dauerte nicht lange, da lief das Ding wieder und sah aus wie neu. Als Heiligabend kam, wollte er keine Hilfe. Er selbst holte einen 2 m hohen Baum, daran echte Kerzen, dicke Kugeln und Engelshaar und Lametta und Leckereien und anderes. Oben in der Spitze hing der Stern von Bethlehem und kleine dicke Engel bummelten drum herum. Nun konnte die Feier beginnen.
 

De grote Bögelstaule waarde haalt un Oma satt d’r in, nett so prüs as de Königinmutter. Links un rechts satten Vader un Mauder un de Kinder draumtau. Vader smeet sück in de Borst, stoppde ein Keerze na de ander an un uk de Wunderkeerzen. Dann dreihde heej sück um, smüsterlachde un see: Un nu kummt wat heil Besünders!  sedde dat Dreiding in de Gang un gung gau weer sitten.
 

 

Der große Lehnstuhl wurde geholt und darin saß Oma, so adrett wie die Königinmutter. Links und rechts saßen Vater und Mutter und drum herum die Kinder. Vater warf sich in die Brust, steckte eine Kerze nach der anderen an und auch die Wunderkerzen. Dann drehte er sich um, schmunzelte und sagte: Und jetzt kommt etwas ganz Besonderes! Setzte das Drehding in Bewegung und setzte sich schnell wieder hin.
 

Heil versichdeg draide sück de funkelnde Wiehnachtsboom in de Runde, de Musik spölde „O du fröhliche“.  Wat’n Bliedskup, wat’n Ardegkeit! De Kinder wassen beduust un klappten in de Handen, Mauder was staff un Oma see alltied weer: Ik kann ja neit mehr! Wenn Opa dat noch  beleevt harr!
 

 

Ganz vorsichtig drehte sich der funkelnde Weihnachtsbaum (in die Runde), die Musik spielte „O du fröhliche“. Welch ein Vergnügen, welche Freude! Die Kinder waren ganz weg und klatschten in die Hände, Mutter war überrascht und erstaunt und Oma sagte immer wieder: Ich kann ja nicht mehr! Wenn Opa das noch erlebt hätte.
 

Ein heile Sett keek de Familie bliede un dodstille up dat heerleke Bild, as ein heile malle Gluut un ein elendeg Kraken hör verfeerde. Ein Trillen gung dör de Boom, de bunte Kugels bimmelten as lüttje Klockjes. Un dann sedde de Boom Skrapp, dreihde sück as’n Tiddeltopp in’t Runde. All gauer un gauer un O du fröhliche klung as’n Galopp. Mauder gielde: So tu doch etwas!, man Vader satt in ein Stück. De Boom gung so in’t Runde mit de Flammen van de Keerzen as’n Kondenzstriepe achter sück an. Grootje feulde stillkes hör Handen un see mit trillende Stemme: Wenn dat Grotvader noch beleevt harr!
 

 

Eine ganze Zeit sah die Familie froh und ohne zu sprechen auf das herrliche Bild, als ein ganz merkwürdiger Laut und ein furchtbares Krachen sie erschrak. Ein Zittern ging durch den Baum, die bunten Kugeln bimmelten wie kleine Glöckchen. Und dann nahm der Baum Fahrt auf, drehte sich wie ein Brummkreisel (in die Runde). Immer schneller und schneller und (das) O du fröhliche klang wie ein Galopp. Mutter schrie: So tu doch etwas!, aber Vater saß fassungslos. Der Baum drehte sich mit den Flammen der Kerzen wie ein Kondensstreifen hinter sich. Großmutter faltete still ihre Hände und sagte mit zitternder Stimme: Wenn das Großvater noch erlebt hätte!
 

As erste kwamm de Steern van Bethlehem van boven, susde as’n Komet dör de Kamer, rummelde tegen de Dör un full van boven up Felix, de lüttje Hundje, dej mit Ogen up de Gliewe up de Teppich lagg. Dat Deier gielde as ein mager Swien un neihde drut as Fett. Lametta un Engelhaar weihten as ein Kettenkarusell um de Wiehnachtsboom. De dicke lüttje Engelkes trullden as dune Biggen na beneden. Dann kreeg Erzengel Gabriel Wind under de Flögels, skoot as’n Rakete an Omas Nöse vörbi un rummelde van boven in de Kaukjes un Sünderklaasgaud. Ein dicke rotklörege Appel susde dör de Kamer liek in de Bowlepott. Gefüllde Slickergaud skoten as Gewehrkugels dör de Ruum un rode un gele Likör leip glipperg de Tepeite andaale.
 

 

Als erstes kam der Stern von Bethlehem von oben, fegte wie ein Komet durch das Zimmer, knallte gegen die Tür und fiel von oben auf Felix, dem kleinen Hund, der mit fast geschlossenen Augen auf dem Teppich lag. Das Tier schrie wie ein mageres Schwein und haute ab wie Fett. Lametta und Engelshaar wehten wie ein Kettenkarussell um den Weihnachtsbaum. Die dicken kleinen Engel rollten wie betrunkene Ferkel nach unten. Dann bekam Erzengel Gabriel Wind unter den Flügeln, schoss wie eine Rakete an Omas Nase vorbei und donnerten von oben in die Kekse und das Nikolausgebäck. Ein dicker rotfarbiger Apfel sauste durch das Zimmer genau in den Bowletopf. Gefüllte Schleckereien schossen wie Gewehrkugeln durch den Raum und roter und gelber Likör lief glitschig die Tapete herunter.
 

Vader was bi de Bundeswehr west, lagg nu platt up de Grund un bölkde: Alles hinlegen! Volle Deckung! Mauder truck sück de Läufer over de Kopp un kreet bittere Tranen. Bloot Oma satt noch pieleliek in de Bögelstaule, sagg ut as’n Rauschegoldengel, vull mit Lametta un Engelhaar. Hör Mann was 14-18 mit de Kompanie in de Ardennen west un harr d’r faak van vertellt un so mutt dat d’r west wesen. Ein Zuckelaakugel knallde hör liek för de Kopp, mit de Tunge slickerde seej de Nattegkeit up un see. Hm! Kirschwasser! Un wat’n Jammer, dat Opa dat neit mehr beleevt.
 

 

Vater war bei der Bundeswehr gewesen, lag jetzt flach auf dem Boden und brüllte: Alles hinlegen! Volle Deckung! Mutter zog sich den Läufer über den Kopf und heute bittere Tränen. Nur Oma saß noch kerzengerade im Lehnstuhl, sah aus wie ein Rauschgoldengel, voll mit Lametta und Engelhaar. Ihr Mann war 14-18 mit der Kompanie in den Ardennen gewesen und hatte oft davon erzählt und so muss es dort gewesen sein. Eine Schokoladenkugel knallte ihr genau vor den Kopf, mit der Zunge schleckte sie die Feuchtigkeit auf und sagte: Hm! Kirschwasser! Und welch ein Jammer, dass Opa das nicht mehr erlebt.

Mit ein elendeg Kraken was’t miteins daan mit de Dreiereej un o du fröhliche was uk stille. De Wiehnachtsboom wuss neit wat heej sull un full heil versichdeg um, van boven in de rode Heringssalat un uk de Tuffelsalat was vull mit greune Nadels. Doodstille was’t. Grootmauder stunn up, sagg ut, as off seej van de Konfettiparade in New York kwamm, un stappde mit de Lametta- un Engelshaargirlande as ein Schleppe achter sück an, na hör Kamer. In de Dör draihde seej sück um un see: Gaud, dat Grootvader dat neit mehr beleevt hett!
 

 

Mit einem entsetzlichen Krachen war miteins Schluss mit der Dreherei und O du fröhliche war auch still. Der Weihnachtsbaum wusste nicht was er sollte und fiel ganz vorsichtig um, von oben in den roten Heringssalat und auch der Kartoffelsalat war voll mit grünen Nadeln. Es war Totenstille. Großmutter stand auf, sah aus, als ob sie von der Konfettiparade in New York kam, und stapfte mit der Lametta- und Engelshaargirlande wie eine Schleppe hinter sich zu ihrem Zimmer. In der Tür drehte sie sich um und sagte: Gut, dass Großvater das nicht mehr erlebt hat!
 

Mauder ziesde na hör Mann: Hest ja fein henkregen, dien grote Überraschung! Un de Kinder seen: Du, Papa, das war echt cool. Machen wir das Weihnachten immer so?
 

 

Mutter zischte zu ihrem Mann: Das hast du ja fein hinbekommen, deine große Überraschung! Und die Kinder sagten: Du, Papa, das war echt cool. Machen wir das Weihnachten immer so?
 


Jan Schneeberg
 

but_Turm_home_L_120
ButtonUebers
ButtonZurueck
ARROW2O

Ebene 3

Ebene 3

ARROW2R
ARROW2L
borkumerin_2b

De Wiehnachtsboomständer

De Wiehnachtsboomständer

Sprachausgabe des plattdeutschen Textes!

 

Start der Sprachausgabe: Mausklick auf das obige Dreieck

BackGr_Sand_A_O
BackGr_Sand_A_U
BackGr_Sand_Ecke_LO
BackGr_Ecke_RO
BackGr_Sand_Ecke_LU
BackGr_Ecke_RU2
Leerkasten
Moewe2a