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Klootskeiten

Klootskeiten

Klootskeiten

Die geschichtliche (ostfriesische) Deutung dieses uralten ostfriesischen Brauchtums.

Hinweis: Da auch die plattdeutsche Sprache - wie grundsätzlich jede Sprache - oft erst sinnentnehmend erschließbar wird, wurden zum besseren Verständnis der Sprachbildung an speziellen Stellen eine fast wörtliche Übersetzung von Teilsätzen und Begriffen innerhalb runder Klammern ( .. ) aufgezeigt.

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Sprachausgabe des plattdeutschen Textes!

 

Start der Sprachausgabe: Mausklick auf das obige Dreieck

 

Allerbest
 

 

Klootschießen
 

Dat de Roomsken vör 2.000 Jahren uk in unse Kuntrei wassen, dat weiten vandage neit bloot klauge Lü, dat steiht haast in elke Geschichtsbauk. Un dat seej over dat mindermachdege Volk an de Küste andaale keken, dat hebben seej in hör Skrievereejen uk fastholden. Dej leven up Warften, supen Moorwater un freten dröge Fiss un hebben gein Kultür, so hett Tacitus vertellt.
 

 

Dass die Römer vor 2000 Jahren in unserem Gebiet waren, das wissen heute nicht nur kluge Leute, das steht fast in jedem Geschichtsbuch. Und das sie auf das minderwertige Volk an der Küste herunter sahen, das haben sie in ihren Unterlagen auch festgehalten. Die leben auf Warften, saufen Moorwasser und fressen getrockneten Fisch und haben keine Kultur, so hat Tacitus erzählt.
 

Dat de Freisen neit beduust wassen over de Frömden mit hör lüttje Rockjes an un mit blode Beinen, kann man wall begriepen. Mit Förken un Sseisen bin seej tegenan gahn, man de Roomsken harrn hör under. De stollte Freisen gaffen neit na un hebben sück wat utdocht. Mudder un Klei is d’r ruum un as man van dat Mengsel  lüttje Kugelkes  makt, bin dej in ein kaart Sett spiekerhart. Un as man mit so’n Dingereis smitt un rakt  tegen’t Bein off in de Rügge van ein Menske, deit dat wiss sehr. Kiek, un mit sückse Kugels hebben seej de Roomsken  begallert.  Aber neit so dicht d’r bi wesen, wiet weg stahn, anders hebben seej di futt tau packen un dat seej di verwamsen, is dat Minnste, wat du verwachten kannt. So kwammen de Freisen d’r achter, dat man gaud smieten mutt.
 

 

Dass die Friesen nicht begeistert waren über die Fremden mit ihren kleinen Röckchen an und (den) bloßen Beinen, kann man wohl begreifen. Mit Forken und Sensen sind sie dagegen angegangen, aber die Römer hatten sie unter (in ihrer Gewalt). Die stolzen Friesen gaben nicht nach und haben sich etwas ausgedacht. Matsch und Klei ist reichlich da und wenn man von der Mischung (Teig) kleine Kügelchen macht, sind die in kurzer Zeit steinhart (hart wie ein Nagel). Und wenn man mit so einem Ding wirft und trifft gegen das Bein oder den Rücken von einem Menschen, dann tut das bestimmt weh. Guck, und mit diesen Kugeln haben sie die Römer angegriffen. Aber nicht so nah dabei sein, weit weg stehen, sonst haben sie dich gleich zu packen und dass sie dich verhauen, ist das Wenigste, was du erwarten kannst. So kamen die Friesen dahinter, dass man gut werfen muss.
 

Mit disse Kluten ut Klei hebben seej de Roomsken düchdeg kujeneiert.un dej hebben uk ja naderhand de Kopp intrucken un bin weer na Huus stappt. Un de Freisen, heil besünders de Oostfreisen, harr an dat Smieten mit de Kleikugels so’n Aregkeit, dat seej neit mehr sünder kunnen. Seej neumden hör Klooten un kwammen gau d’r achter, dat so’n Ding ut Pockholt noch völ beter is. Kiek, so hett sück de Tradition holden bit vandage un dat Klootskeiters noch neit bi de olympische Spölen bin, will eine neit in de Verstand.
 

 

Mit diesen Klumpen aus Schlamm haben sie die Römer ordentlich geärgert und die haben ja auch später den Kopf eingezogen und sind wieder nach Hause gestapft. Und die Friesen, ganz besonders die Ostfriesen, hatten an dem Werfen mit den Kleikugeln so eine Freude, dass sie nicht mehr ohne sein konnten. Sie nannten sie Klooten und kamen schnell dahinter, dass so ein Ding aus Pockholz (Guajakaholz) noch viel besser ist. Guck, so hat sich die Tradition gehalten bis heute und das die Klootschießer noch nicht bei den olympischen Spielen sind, kann man nicht begreifen (will nicht in den Verstand).
 

Wenn de fieleneg kolde Wind over’t platte Land weiht, dann warmt ein lüttje Söpke van binnen un buten. Un wenn Kloot an Kloot binander stöten, gefft uk eine. Un dej verloren hebben, mutten eine utgeven. Bi Lü, dej mit de glujende Jenever neit umgahn könen, kann dat wall mal utaarden. Unse Fürst Georg Albrecht hett 1731 dat Klootskeiten verboden:
 

 

Wenn der fiese kalte Wind über das platte Land weht, dann wärmt ein kleiner Schnaps von innen und außen. Und wenn Kloot an Kloot zusammenstoßen, gibt es auch einen. Und die verloren haben, müssen einen ausgeben. Bei Leuten, die mit dem glühend heißen (hochprozentigen) Genever nicht umgehen können, kann das auch mal ausufern. Unser Fürst Georg Albrecht hat 1731 das Klootschießen verboten:
 

“Nachdem des die Erfahrung bezeuget, daß bey dem sogenannten Klothschießen, das um Geld, Bier und andere Getränke angestellt wird, oder auch wozu die Nachbarschaften, ja wol gantze Gemeinen und Dörffer sich gegen einander ausfordern und aufbiethen, vielerley Unordnungen mit Saufen, Fressen, Schelten, greulichen Fluchen und schweren Schlagen und Verwunden und anderen groben Aergernis frommer Leute ...”
 

 

“Nachdem des die Erfahrung bezeuget, daß bey dem sogenannten Klothschießen, das um Geld, Bier und andere Getränke angestellt wird, oder auch wozu die Nachbarschaften, ja wol gantze Geimeinen und Dörffer sich gegen einander ausfordern und aufbiethen, vielerley Unordnungen mit Saufen, Fressen, Schelten, greulichen Fluchen und schweren Schlagen und Verwunden und anderen groben Aergernis frommer Leute ...”
 

Fürst Georg Albrecht is d’r neit mehr! De Klootskeiters wall!
 

 

Fürst Georg Albrecht ist nicht mehr! Die Klootschießer wohl!
 


Jan Schneeberg
 

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