Blaudsuuger

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Der folgende plattdeutschen Beitrag zeigt beeindruckend, wie medizinischen Blutegel auch therapeutisch anders (erfolgreich?) angewendet werden können.

Hinweis: Da auch die plattdeutsche Sprache - wie grundsätzlich jede Sprache - oft erst sinnentnehmend erschließbar wird, wurden zum besseren Verständnis der Sprachbildung an speziellen Stellen eine fast wörtliche Übersetzung von Teilsätzen und Begriffen innerhalb runder Klammern ( .. ) aufgezeigt.

Sprachausgabe des plattdeutschen Textes!

 

Start der Sprachausgabe: Mausklick auf das obige Dreieck

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Blaudsuuger


Frauger gungen de Lü erst na de Doktor, as Hoffmannsdrüpen, Wuurmkruud of Harlemer Ölje neit mehr helpen wull. T'gaff ein Tied, daar was dat uk Maude, dat man tegen meneg Gebrecken, besünders bi vullbleudege Mensken, Blaudsuuger ansetten de. Dej kunn man in de Apteik haalen. Uk Doktor Steffens, dej in ein Dörp in Oostfreisland an't warken was, hollde d'r völ van. Man he was neit mehr de Jungste un bitieden freewat vergeetlek. So vergatt he fakers sien Patienten tau seggen, hau seej dat Gaudje, wat he verskreev, innehmen mussen.

 

 

Blutegel


Früher gingen die Leute erst zum Doktor, wenn Hoffmannstropfen, Wurmkraut oder Harlemer Öl nicht heilten (hier: nicht helfen wollte). Es gab eine Zeit, da war es Mode, dass man gegen verschiedene Gebrechen, besonders bei „vollblutigen“ Menschen, Blutegel ansetzte. Die konnte man in der Apotheke holen. Auch Doktor Steffens, der in einem Dorf in Ostfriesland arbeitete, hielt viel davon. Aber er war nicht mehr der Jüngste und bisweilen (ordentlich) vergesslich. So vergaß er oft seinen Patienten zu sagen, wie sie die Medizin (hier:das Zeug), die (was) er verschrieb, einnehmen mussten.

 

Daar kwamm oll Geertjemöike bi hum un klagde, dat hör Derk krank in't Bedde lagg. He harr seker de Dardedagskollde, meinde seej. Hum deen alle Knaken sehr, he mugg gein Eeten off Drinken, uk gein Piepke un an sien Doornkaat, dej sien Medizin wass un van dej he dreej Klucken up de Dag namm - eine s'mörgens nöchtern teegen de Wurms, eine na't Middageten tau verlichten un eine för de Beddegahnstied tegen sware Drömen -  harr d'r gein Smaak mehr an.
 

 

Da kam (die) alte Tante Geertje zu ihm und klagte, dass ihr Derk krank im Bett lag. Er hat sicher die „Dreitagekälte“ (schwere Erkältung, die mindestens 3 Tage anhält), meinte sie. Ihm taten alle Knochen weh, er mochte kein Essen oder Trinken, auch kein Pfeifchen und an seinem Doornkaat, der seine Medizin war und von dem er drei Schlucke auf den Tag nahm - einen morgens nüchtern gegen die Würmer, einen nach dem Mittagessen zum Erleichtern und einen vor der Bettgehzeit gegen schwere Träume - hatte er keinen Geschmack mehr (an).
 

Derkohmke was noch noit in sien Leven krank west un so lang as seej trout wassen – un dat is ja eine heile Sett her – harrn seej noch gein Doktor bruukt, man nu was dat sowiet. Seej harrn alles in Huus probeiert, man nix hulp.
 

 

Onkel Derk war noch nie in seinem Leben krank gewesen und so lange sie verheiratet waren - und das ist ja eine ganze Weile her - hatten sie noch keinen Doktor gebraucht, aber jetzt war es (das) soweit. Sie hatten alles im Haus probiert, aber nichts half.
 

Doktor Steffens haalde sien Rezeptblock vandag, bladerde wat hen un her.
„So“, see d'r,“ ik hebb hier wat Drüppen upskreven, dej mutten ji van de Apteik haalen un hum ingeven. Un dann breng man uk 8 Blaudsuuger mit, dej helpen gaud tegen de glujende Hitze. Un mörgen koom ik un kiek mi Derk an“.
 

 

Doktor Steffens holte seinen Rezeptblock (vor), blätterte etwas hin und her.
„So“, sagte er, „ ich habe hier einige Tropfen aufgeschrieben, die müsst ihr von der Apotheke holen und ihm eingeben. Und dann bringt ruhig auch 8 Blutegel mit, die helfen gut gegen die glühende Hitze. Und morgen komme ich und gucke mir Derk an.“
 

Ander Dag kwamm de Doktor. Derkohmke lagg in't Bedde. He was haast neit tau finnen,  in sovöl Küssens un feeren Beddegaud harr sien Frou hum inpackt. Um de Kopp harr he Stück off wat wullen Dauken un uk swarte Skaapwulle, umdat he gein Zogg kreeg. Dicke Sweitdruulen leipen hum de Kopp andaale.
 

 

Am nächsten Tag kam der Doktor. Onkel Derk lag im Bett. Er war fast nicht zu finden, in so vielen Kissen und Feder-Bettzeug hatte seine Frau ihn eingepackt. Um den Kopf hatte er mehrere Wolldecken und auch schwarze Schafwolle, damit er keine Zugluft bekam. Dicke Schweißperlen liefen ihm den Kopf herunter.
 

„Mien leiwe Geertje“, see de Doktor,“ dej Mann kummt ja um vör Hitze.
Hau is't nu dann? Hebben de Drüppen hulpen un de Blaudsuugers hör Fliet daan?“
 

 

„Meine liebe Geertje“, sagte der Doktor, „ der Mann kommt ja um vor Hitze. Wie ist es denn jetzt? Haben die Tropfen geholfen und die Blutegel ihren Pflicht (hier: Fleiß, Absicht) getan?“
 

„Ja, Heer Doktor“, see Geertjemöike, „de Drüppen hett he gaud noomen. Seej wassen ja ein bitje bitter, dat was ja all in de Riege. Man mit de Blaudsuuger, dat was ja ein Angahn. Wi hebben d'r unse Levend noch nix mit tau daun hatt un ik wuss neit so recht, hau man dej innehmen muss. Dat was neit so licht, hum de Dinger binnen tau kriegen. Derk funn hör grieselk. Veier Stück hebb ik hum so na un na binnen knaujet un he hett hör dör't Halsgatt glieden laaten. Man dann was't ut. He hett geine mehr noomen un de Kopp bi't Siet dreiht, as ik d'r mit ankwamm. Un daar wuss ik gein beter Raad, as hör mit ein Stückje gaude Botter in de Paane tau braden. Un dej hett he uk all upeten un seej bin hum gaud bekoomen.“
 

 

„Ja, Herr Doktor“, sagte Tante Geertje, „ die Tropfen hat er gut genommen. Sie waren ja ein wenig bitter, aber das war ja alles in Ordnung. Aber mit den Blutegeln, das war ja eine Prozedur (hier: Entstehen). Wir haben damit in unserem Leben noch nichts zu tun gehabt und ich wusste nicht so recht, wie man sie einnehmen muss. Das war nicht so leicht, ihm die Dinger rein zu kriegen. Derk fand sie grässlich (schauderhaft). Vier Stück habe ich ihm so nach und nach reingequält und er hat sie durch die Kehle gleiten lassen. Aber dann war's aus. Er hat keine mehr genommen und den Kopf zur Seite gedreht, als ich damit kam (hier:ankam). Und da wusste ich keinen besseren Rat, als sie mit einem Stückchen gute Butter in der Pfanne zu braten. Und die hat er auch alle aufgegessen und sie sind ihm auch gut bekommen.“
 


Jan Schneeberg
 

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