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Der folgende besinnliche und ergreifende Beitrag in plattdeutscher Sprache kann nicht nur Trost, sondern soll auch Hoffnung spenden.

Hinweis: Da auch die plattdeutsche Sprache - wie grundsätzlich jede Sprache - oft erst sinnentnehmend erschließbar wird, wurden zum besseren Verständnis der Sprachbildung an speziellen Stellen eine fast wörtliche Übersetzung von Teilsätzen und Begriffen innerhalb runder Klammern ( .. ) aufgezeigt.

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Gah dör de Welt för mi!

 

Vör all dej, dej dat Hart vull sitt.

Gah dör de Welt för mi!

 

 

Für alle die, denen das Herz schwer ist (voll ist).

Geh durch die Welt für mich!

 

Trüürdagen! De stille Maand! In disse Dagen denken wi heil besünders an leive Mensken, dej d'r neit mehr bin. Gedanken gahn taurügg un dat Hart is swaar. Dat deit sehr un de Wereld hangt uns boven de Kopp. Wi weiten wall all mitnander, wi leven up uns Eer bloot in Daghüüre, tiss ein Koomen un Gahn. Man well hett sovöl Kracht, sück daarmit off tau finnen. Wi twiefeln. Warum, mien Heer, nettekraat ik? Warum bin Mensken ut disse Tied in de Eiwegheit offberaupen, dej wi so geern noch naast uns harrn? Un du kannst krieten un bölken, du kannst dien Hartsehr teegen de Heemel galpen, daar kummt gein Woord taurügg. Tauminnst hören wi dat neit. Freede kummt van binnen.
 

 

Trauertage! Der stille Monat. In diesen Tagen denken wir ganz besonders an liebe Menschen, die nicht mehr da sind. Die Gedanken gehen zurück, und das Herz ist schwer. Das tut weh, und die Welt bedroht uns (hängt uns auf dem Kopf – deprimiert sein). Wir wissen alle, wir leben auf unserer Erde nur in Daghüre (frei: als Tagelohn, kurze Zeit) es ist ein Kommen und Gehen. Aber wer hat soviel Kraft, sich damit abzufinden. Wir zweifeln. Warum, mein Gott, gerade ich? Warum sind Menschen in dieser Zeit in die Ewigkeit abgerufen worden, die wir so gern noch in unserer Nähe gehabt hätten? Und Du kannst weinen und schreien, du kannst dein Herzschmerz gegen den Himmel brüllen, es kommt kein Wort zurück. Zumindest hören wir es nicht. Friede kommt von innen!
 

Novembermaand. Wi denken an de junge Keerls, dej in de Krieg fallen bin un all dat Nood un Elend, wat disse Jahren brocht hebben. Utwussen Lü gahn over de Karkhoff un kennen elke Name up de Grafftsteinen. Besünders stuur is eine taumaud, as man an de Grafftstee steiht mit leiwe Mensken, dej dit Jahr in de Eiwegkeit gahn bin. Un de Gedachten gahn taurügg un meisttied besinnt man sück an moje Stünden.
 

 

Der Monat November. Wir denken an die jungen Männer, die im Krieg gefallen sind und an all die Not und das Elend, was diese Jahre gebracht haben. Erwachsene Menschen gehen über den Friedhof und kennen jeden Namen auf den Grabsteinen. Besonders schwer ist es einem zumute, wenn man an der Grabstätte lieber Menschen steht, die in diesem Jahr in die Ewigkeit gegangen sind (abberufen wurden). Und die Gedanken gehen zurück, und meistens besinnt man sich (erinnert man sich) an schöne Stunden.
 

Mi gahn de Woorden neit tau de Kopp ut, dej ik anderlessens in ein Bauk funn. Daar schrifft ein Mauder over hör Junge, ein schiere, krachdege Keerl van noch neit twinteg Jahr. He harr ein elendege Krankte, de Kanker satt in sien Blaut. De Mauder vertellt ut sien kaart Leven, dat Hoopen un Bangen un up't Ende dat elendege Starven van hör Söhn.
 

 

Mir gehen die Worte nicht aus dem Kopf, die ich neulich in einem Buch fand. Da schreibt eine Mutter über ihren Jungen, ein hübscher, kräftiger Kerl von noch nicht einmal zwanzig Jahren. Der hatte eine schwere Krankheit, er hatte Blutkrebs. Die Mutter erzählt aus seinem kurzen Leben, das Hoffen und Bangen und zum Schluss über das entsetzliche Sterben ihres Sohnes.
 

An de letzde Siet van dit Bauk ein Bild: ein Steine an de Strandskante. Dej harrn de Fründen van de Jung upstellt, mit sien Name, dej Dag, as he up de Wereld kwamm un sien Starvedag. Un undern stahn de Woorden: Gah dör de Welt för mi!
 

 

Auf der letzten Seite des Buches ein Bild: ein Stein am Strand. Den hatten die Freunde des Jungen aufgestellt, mit seinem Namen, dem Geburtstag und seinem Sterbetag. Und unten standen die Worte: Geh durch die Welt für mich!
 

Wat harr dat tau bedüden? As dat tau Ende gung mit hum – sien Oogen wassen haast broken – satt sien Mauder weer an sien Bedde as elke Dag vörtied. Seej funn Woorden over de moje Vörjahrdag buten, mit de greune Booms, de heile Natür in Gröij un Blöij, dej kakelbunte Blaumen, dat greune Gras, dej Vogels, dej an't nüsseln wassen. Miteins greep de Junge de Hand van sien Mauder un see: „Mamme! Maak mi doch ein Bliedskup. Gah weer na buten. Loop mit open Oogen dör disse heerleke Wereld. Du weißt, ik kann neit mehr kieken, man all wat du süchst, seih ik uk. Gah dör de Welt för mi!“
 

 

Was hatte das zu bedeuten? Als es mit ihm zu Ende ging – seine Augen waren schon fast gebrochen – saß seine Mutter wieder an seinem Bett, wie schon vorher jeden Tag. Sie fand Worte über den schönen Frühjahrstag draußen, mit den grünen Bäumen, die ganze Natur grünte und blüte (im Grünen und Blühen) die knallbunten, (vielfarbigen) Blumen, das grüne Gras, und die Vögel, die nisteten. Plötzlich griff der Junge nach der Hand seiner Mutter und sagte:“ Mamma, tu mir doch einen Gefallen. Geh wieder nach draußen. Laufe mit offenen Augen durch diese herrliche Welt. Du weißt, ich kann nicht mehr sehen, aber alles, was du siehst, sehe ich auch. Geh durch die Welt für mich!“
 

Is dat neit ein allemachdeg Woord: Gah dör de Welt för mi? Ein Dag later was disse junge Mann dood, man sien Mauder hett dat noit vergeten. Hör Hart bleev weik, t'was gein steinen Flinte. Seej hett dit Bauk schreven, um disse Woorden uk ander Mensken in't Hart tau planten. Verseuk doch, ji Trürenden un Nablievers, heil besünders in düster Dagen, jau disse Woorden in't Hart tau planten:
 

 

Ist das nicht ein mächtiges Wort: Geh durch die Welt für mich! Einen Tag später war dieser junge Mann tot, aber seine Mutter hat dies (Wort) nie vergessen. Ihr Herz blieb weich, es war nicht wie ein Felsstein. Sie hat dieses Buch geschrieben, um diese Worte auch in die Herzen anderer Menschen zu pflanzen. Versucht es doch, ihr Trauernden und Hinterbliebenen, ganz besonders in dunklen Tagen, Euch diese Worte zu Herzen zu nehmen:
 

Gah dör de Welt för mi!
 

 

Geh durch die Welt für mich!
 


Jan Schneeberg
 

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Gah dör de Welt för mi!

Gah dör de Welt för mi!

Sprachausgabe des plattdeutschen Textes!

 

Start der Sprachausgabe: Mausklick auf das obige Dreieck

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