Wiehnachten in Freede

Wiehnachten in Freede

Wiehnachten in Freede

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Der folgende plattdeutsche Beitrag erzählt einfühlsam von der besonderen Weihnachtszeit,
Weihnachten 1945

Hinweis: Da auch die plattdeutsche Sprache - wie grundsätzlich jede Sprache - oft erst sinnentnehmend erschließbar wird, wurden zum besseren Verständnis der Sprachbildung an speziellen Stellen eine fast wörtliche Übersetzung von Teilsätzen und Begriffen innerhalb runder Klammern ( .. ) aufgezeigt.

Sprachausgabe des plattdeutschen Textes!

 

Start der Sprachausgabe: Mausklick auf das obige Dreieck

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Freede
 

 

Friede
 

Wiehnachten in Freede – so neumt man de Fierdagen van’t Jahr 1945. Sess lange Jahren Oorlog. Millionen van Mensken dod. Weedefrouen satten in Huus. Hör Mannlü bin fallen. För Volk un Vaderland. Un för eine, dej Führer wesen wull un de Mensken heerleke Tieden tauseggt hett. Un nix as Nood un Elend brocht hett.
 

 

Weihnachten in Frieden – so nennt man die Feiertage des Jahres 1945. Sechs lange Jahre Krieg. Millionen von Menschen tot. Witwen saßen zu Haus. Ihre Männer sind gefallen. Für Volk und Vaterland. Und für einen, der Führer sein wollte und den Menschen herrliche Zeiten zugesagt hat. Und nur Not und Elend gebracht hat.
 

Bliede kunn dej wesen, dej noch ein Dack over de Kopp harr. Un ein bitje tau eten. Uk as dat man freewat schraa was, wat up de Teller lagg. Bin d’r noch Verwandskup un gaude Nahbers, dej Stön gaffen, kunn man de Heer up Kneejen Dank seggen. De Lüttjen mit hör grote Ogen, dej neit wussen, wat Krieg was off  Freede, man gau d’r achter kwammen, dat neit all up Stee was, harrn Leivde wall nödeg.
 

 

Froh konnte der sein, der noch ein Dach über den Kopf hatte. Und ein wenig zu essen. Auch wenn es überwiegend ärmlich (bescheiden) war, was dort auf dem Teller lag. Sind da noch Verwandte und gute Nachbarn, die Unterstützung gaben, konnte man dem Herr (Gott) auf (den) Knien danken (Dank sagen). Die Kleinen mit ihren großen Augen, die nicht wussten, was Krieg war oder Friede, aber rasch merkten, dass nicht alles in Ordnung war, hatten (die) Liebe (wohl) nötig.
 

Elendeg kwammen dej Mensken dör de Tied, dej uk noch hör Heimat verloren harrn. Drut trappt van Huus un Hoff, van dej Lü, dej nu dat Seggen harrn. Ein lüttje Kuffer mit Gaud un bloot mit  dej Plünnen, dej man antrecken kunn, mehr neit! Siet Junimaand was  de lüttje Marie up Padd un nu stunn all Wiehnachten vör de Dör. Veier Lü wassen seej: Grootvader, Grootmauder, hör Breuer Gerhard mit sien elf Jahren un Marie, dej noch neit na’t Skaule gung. Hör Mauder was bi de lange Weg achterut bleven, seej un de lüttje Süster Heidi, dej erst ein Jahr old was.
 

 

Elendig kamen die Menschen durch die Zeit, die auch noch ihre Heimat verloren hatten. Herausgeworfen (getreten) von Haus und Hof, von den Leuten, die jetzt an der Macht waren (das Sagen hatten). Ein kleiner Koffer mit (Hab und) Gut und nur mit (der) Kleidung, die man anziehen konnte, mehr nicht! Seit Juni war die kleine Marie unterwegs (auf dem Pfad) und jetzt stand schon Weihnachten vor der Tür. Sie waren vier Leute: Großvater, Großmutter, ihr Bruder Gerhard mit seinen elf Jahren und Marie, die noch nicht zur Schule ging. Ihre Mutter war auf dem langen Weg zurück geblieben, sie und die kleine Schwester Heidi, die erst ein Jahr alt war.
 

Nett as de iesege Wind over’t Land truck, harrn seej ein Hunk funnen. Ein lüttje Kamer bi frömde Lü. Marie kwamm in de Kindergarten. Dat was heil moij. Hier wassen ander Kinder tau spölen, leive Froulü un Wichter, dej mit hör Wiehnachtsliedjes sungen hebben. Mitnander hebben seej uk lüttje Saaken bastelt. Marie harr ein lüttje Puppke binander knüsselt un ein Kindergärtnerin hett hör hulpen. Dat Puppke wull Marie hör lüttje Süster tau Wiehnachten geven. Wiehnachten kummt wiss all dat, waar man Hartsehr na hett un wat eine in stille Stünden dör de Kopp geiht. Dat hett Grootvader seggt un Marie harr de starke Glove, dat Wiehnachten hör Mauder tau de Dör instappen de.
 

 

Gerade als der eisige Wind über's Land zog, hatten sie Unterschlupf gefunden. Ein kleines Zimmer bei fremden Leuten. Marie kam in den Kindergarten. Das war sehr schön. Hier waren andere Kinder zum spielen, liebe Frauen und Mädchen, die mit ihr Weihnachtslieder gesungen haben. Zusammen haben sie auch kleine Sachen gebastelt. Marie hatte eine kleine Puppe zusammen gefummelt und eine Kindergärtnerin hat ihr geholfen. Das Püppchen wollte Marie ihrer kleinen Schwester zu Weihnachten geben. (Zu) Weihnachten kommt bestimmt alles (das), wonach man sich sehnt (Herzschmerz nach hat) und was einen in stillen Stunden durch den Kopf geht. Das hat Großvater gesagt und Marie hatte den starken Glauben, das (zu) Weihnachten ihre Mutter durch die Tür kam (stapfte).
 

Un de hooge Avend kwamm. In de Gemeindesaal was ein heil moje Fier mit Spölen un Gesang un ein Püüt mit lecker Slickergaud was d’r uk over.  Man so recht bliede kunn Marie neit wesen. Waar was hör Mauder? Marie fung an tau krieten un dicke Traantjes leipen over hör Wangen. Miteins gung de Dör open un well stunn daar? Hör Mauder! Dat was de moiste Wiehnachten siet Jahren.
 

 

Und der hohe Abend kam. In dem Gemeindesaal war eine sehr schöne Feier mit Spielen und Gesang und eine Tüte mit leckeren Schleckereien war auch über. Aber so recht froh konnte Marie nicht sein. Wo war ihre Mutter? Marie fing an zu weinen und dicke Tränen (Tränchen)  liefen über ihre Wangen. Plötzlich ging die Tür auf und wer stand da? Ihre Mutter! Das war das schönste Weihnachten seit Jahren.
 

Man waar was de lüttje Süster Heidi? För hör was doch dat Puppke. Mauder gung mit Marie vör de Dör un wees na de Heemel: Süchst du de lüttje Steern? Daar is Heidi un kikkt up uns andaale.
 

 

Aber wo war die kleine Schwester Heidi? Für sie war doch das Püppchen. Mutter ging mit Marie vor die Tür und zeigte zum Himmel: Siehst du den kleinen Stern? Dort ist Heidi und guckt auf uns runter.
 

Disse naare Tieden bin all lang vörbi. Mensken, dej mit uns dör’t Leven stappt bin, liggen up Karkhoff un jüst in disse stille Maand gahn de Gedachten taurügg an all dej, dej wi leiv hatt hebben. Laat uns uk an de Mannlü denken, dej fallen bin, waar nix bleev as hör Name up dat Kriegerdenkmal. Vergeet hör neit!
 

 

Diese jämmerlichen Zeiten sind schon lange vorbei. Menschen, die mit uns durch das Leben gelaufen (gestapft) sind, liegen auf (dem) Friedhof und gerade in diesem stillen Monat gehen die Gedanken zurück an alle, die wir lieb hatten. Lasst uns auch die Männer denken, die gefallen sind, wo nichts blieb als ihr Name auf dem Kriegerdenkmal. Vergesst sie nicht!
 


Jan Schneeberg
 

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