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Der folgende plattdeutsche Beitrag beleuchtet das uralte Nachbarschaftsthema aus der Sicht zweier Individualisten.

Hinweis: Da auch die plattdeutsche Sprache - wie grundsätzlich jede Sprache - oft erst sinnentnehmend erschließbar wird, wurden zum besseren Verständnis der Sprachbildung an speziellen Stellen eine fast wörtliche Übersetzung von Teilsätzen und Begriffen innerhalb runder Klammern ( .. ) aufgezeigt.

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- Nachbarn -

 

Nabers
 

 

Nachbarn

Jan un Harm wassen Nabers. Neit stuuv annander, Jan harr sien Huus tegenover, up de ander Siet van de Strate. Harm was mit de Süster van Jan trout west. Seej was all as junge Frou overleden un dann harr he weer ein Frou funnen. Kinderkes kwammen up de Wereld un t'was all moij un gaud.
 

 

Jan und Harm waren Nachbarn. Nicht direkt aneinander, Jan hatte sein Haus gegenüber, auf der anderen Seite von der Straße. Harm war mit der Schwester von Jan verheiratet gewesen. Sie war schon als junge Frau gestorben und dann hatte er wieder eine Frau gefunden. Kinder (hier: Kinderchen) kamen auf die Welt und es war alles schön und gut.
 

Man dej beide Mannlü kunnen neit recht mitnander. Mehr as „gaude Mörgen“ off „Mahltied“ kwamm d'r meist neit ut, as seej up de Strate annander vörbi leipen. T'gaff gein kwade Woorden, man wat dej eine van de ander hollen dee, dat was in hör Koppen inmüürt, so fast as ein isdern Pahle.
 

 

Aber die beiden Männer konnten nicht so recht miteinander. Mehr als „guten Morgen“ oder „Mahlzeit“ wurde nicht gesagt (hier: kam nicht dabei raus), wenn sie auf der Straße aneinander vorbei liefen. Es gab keine bösen Worte, aber was der eine von dem anderen hielt, das war in ihren Köpfen eingemauert, so fest wie ein eiserner Pfahl.
 

Jahren gungen daarover hen un dat Olderdoom kwamm bi dej beide Mannlü. Nu harr Jan Geburtsdag, man ik maak d'r nix van, see heej. Ik bin alläne, gein Frou off Kinder. Naber Harm wull hum tauminnst graleiern un harr uk ein moij Präsent: ein Hörnstaule off Sörge, as de olde Börkumers seggt hebben. He gung mit de Staule na de Nahber, tickerde an de Vördör un gaff hum dej mit de Woorden: „Umdat  dien möije Knaken ein bitje utrüsten könen“.
 

 

Jahre gingen darüber hin und das Alter kam bei den beiden Männern. Nun hatte Jan Geburtstag, aber ich mache davon nichts, sagte er. Ich bin alleine, keine Frau oder Kinder. Nachbar Harm wollte ihn zumindest gratulieren und hatte auch ein schönes Geschenk (Präsent): einen Lehnstuhl (für Sorgen, wie die alten Borkumer es gesagt haben). Er ging mit dem Stuhl zum Nachbarn, klopfte an die Vordertür und gab es ihm mit den Worten: „Damit deine müden Knochen ein wenig ausruhen können.“
 

Jan see nix. Neit „wees bedankt“ off „wat moij“. Gein Woord kwamm drut. Dör dicht. Harm gung weer na Huus.
 

 

Jan sagte nichts. Nicht „sei bedankt“ oder „wie schön“. Kein Wort kam raus. Tür zu. Harm ging wieder nach Haus.
 

Tegen avend gung de Dör bi hum open. Daar stunn Jan. Mit de Staule under de Arm un see: „ Ik bruuk dat Dingereis neit. Hier hest hum weer, bi di is d'r beter boorgen, umdat dien löije Knaken ein bitje utrüsten könen.“
 

 

Gegen Abend ging die Tür bei ihm auf. Da stand Jan. Mit dem Stuhl unter dem Arm und sagte: „ Ich brauche das Ding nicht. Hier hast du ihn wieder, bei dir ist er besser aufgehoben, damit deine faulen Knochen ein wenig ausruhen können.“
 


Jan Schneeberg
 

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- Nachbarn -

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