De grote Reise

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Im folgenden plattdeutschen Beitrag werden die Geschehnisse vor der Abfahrt zu einer - aus insularischer Sicht - Weltreise äußerst eindrucksvoll beschrieben.

Hinweis: Da auch die plattdeutsche Sprache - wie grundsätzlich jede Sprache - oft erst sinnentnehmend erschließbar wird, wurden zum besseren Verständnis der Sprachbildung an speziellen Stellen eine fast wörtliche Übersetzung von Teilsätzen und Begriffen innerhalb runder Klammern ( .. ) aufgezeigt.

Sprachausgabe des plattdeutschen Textes!

 

Start der Sprachausgabe: Mausklick auf das obige Dreieck

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De grote Reis
 

 

Die große Reise
 

Vader stunn midden in de Köken. Um hum tau ein Dörnander van Kuffers un Tasken. Up de Tavel lagg ein grote Büllte van Plünnen un Waske. Mauder flutterde as updreit van ein Kamer in de ander un was an't frocken: „Dat du Stiefkopp nu verreisen willt. Du weißt heil genou, wat hier för ein Drockte is. De Saison steiht vor de Dör. De Badegasten komen un de Ferienwohnungen bin haast noch all up Unstee. Ik weit neit, hau dat hier all lopen sall un du treckst de Steert in un geihst up grote Fahrt! Daar steiht all weer eine vör't Huus tau klingeln. Nee, uk dat noch, mien Swegermauder! Dej fehlt mi noch in all dat Gedrüs hier. Will seker hör lüttje Kukel noch an de Borst nehmen!”
 

 

Vater stand mitten in der Küche. Um ihn herum ein Durcheinander von Koffern und Taschen. Auf dem Tisch lag ein großer Haufen mit Klamotten und Wäsche. Mutter flatterte wie aufgedreht von einem Zimmer in das andere und murrte (meckerte, stänkerte) (hier: war am murren): „ Das du Dickkopf jetzt verreisen willst. Du weißt ganz genau, wie viel Hochbetrieb hier ist. Die Saison steht vor der Tür. Die Badegäste kommen und die Ferienwohnungen sind fast alle noch in Unordnung. Ich weiß nicht, wie das hier alles laufen soll und du ziehst den Schwanz ein und gehst auf große Fahrt! Da steht schon wieder eine vor dem Haus und klingelt (zu klingeln). Nee, auch das noch, meine Schwiegermutter! Die fehlt mir noch in all der Hektik hier. Will sicher ihren kleinen Liebling noch an die Brust nehmen!“
 

Sien Mauder kwamm drinbrusen as ein Dreejmastskoner rund Kap Hoorn. „Mien lüttje Junge, hest uk alles binander? Hest di genug warm Untertüüg inpackt? Un ein paar lange Underbrauken? Dat kann um disse Tied noch fieleineg kold wesen. Laat mi de Baul man inpacken, dat könen de junge Froulü vandage neit mehr so. Wi hebben d'r noch Künde van, hau dat mutt!"
 

 

Seine Mutter kam reingerauscht wie ein Dreimastschoner rund Kap Horn. „ Mein kleiner Junge, hast du alles zusammen? Hast du genügend warmes Unterzeug eingepackt? Und ein paar lange Unterhosen? Das kann um diese Zeit noch schrecklich (eigentlich: bösartig) kalt sein. Lass mich die Sachen (den Kram) einpacken, das können die jungen Frauen heute nicht mehr so. Wir haben da noch  Ahnung von, wie das muss!“
 

Miteins stunnen sien Swegerolden uk in de Flur. Völ harrn seej neit tau seggen, man alläne äs seej hum ankeken, dat gung as ein Piele dwars dör sien Licham. Un heej meinde de Woorden tau hören van: Skojer. Leegloper. Dat unse lüttje Dochder up so'n Keerl rinfallen is. Was beter, heej kwamm noit weer!
 

 

Plötzlich standen seine Schwiegereltern auch im Flur. Viel hatten sie nicht zu sagen, aber alleine wie sie ihn anguckten, das ging wie ein Pfeil quer durch seinen Körper. Und er meinte die Worte zu hören (von): Gauner (Halunke), Faulpelz (wörtlich: Leerläufer). Dass unsere kleine Tochter auf so einen Kerl reingefallen ist. Es wäre besser, er käme nicht wieder!
 

Dann kwammen de Nahbers anfleigen. Elk harr wat in de Hand. Ein lecker Appel ut de eigen Tune, ein paar sülvst gemakte Kaukjes tegen de Geejhunger, ein lüttje Buddel mit Teesöpke. Un völ Glück un Segen för de Fahrt. Un skriev uk uns ein Kaartje. Un besuup di neit so in frömde Landen. Un kiek nei so na dej nüte Wichter. Un wees versichdeg mit dat Eten, nix is so mall, as Dag un Nacht up Hüsche tau sitten.
 

 

Dann kamen die Nachbarn angeflogen. Jeder hatte etwas in der Hand. Einen leckeren Apfel aus dem eigenen Garten, ein paar selbst gemachte Kekse gegen den Heißhunger, ein kleine Flasche mit Teesöpke (Söpke – ein Schnäpschen). Und viel Glück und Segen für die Fahrt. Und schreib uns auch eine Karte. Und besauf dich nicht so im fremden Land. Und guck nicht so nach den niedlichen Mädchen. Und sei vorsichtig mit dem Essen, nichts ist so schlimm, als Tag und Nacht auf der Toilette zu sitzen.
 

Un van de Bank was d'r uk eine van de Boversten: „As gaude Kunde willn wi um di denken. Hest all dien Kaartjes d'r bi un uk ruum utlands Geld? Un denk drum, versichdeg wesen. Dien Knippke mutt up de nakende Huut liggen, am besten tüsken de Billen."
 

 

Und von der Bank war auch einer von den Obersten da:“ Als guter Kunde wollen wir um dich denken. Hast du deine Karte dabei und reichlich ausländisches Geld? Und denk drum, vorsichtig sein. Deine Geldbörse muss auf der nackten Haut liegen, am besten zwischen den Gesäßbacken.
 

De Doktor kwamm uk: „ Sall ik di noch ein Sprütze geven tegen alles, wat du di anhaalen kannst? Un wees versichdeg mit dat Water, meisttied is dat vull Wuurms!" Un dann kwammen noch de Avkaat (Testament un so), de Mann van de Versekerung (Lebensversekerung un so) un de Pestoor (fakers mal de Handen folden, Für- off Erdbestattung?). Man mutt d'r ja mal over proten.
 

 

Der Doktor kam auch:“ Soll ich dir noch eine Spritze geben gegen alles, was du dir anholen kannst?Und sei vorsichtig mit dem Wasser, meistens ist das voll Würmer!“ Und dann kam noch der Notar (Testament und so), der Mann von der Versicherung (Lebensversicherung und so) und der Pastor (öfter mal die Hände falten, Feuer- oder Erdbestattung?). Man muss ja mal darüber reden.
 

Vader stunn midden in de Köken. An elke Büxpiepe hung ein van de Kinder un blarrten Snött un Kwiel. Pape, bliev bi uns!
 

 

Vater stand mitten in der Küche. An jedem Hosenbein hing eines von den Kindern und heulten Rotz und Wasser (Kwiel/Quiel – Speichel). Papa, bleib bei uns!
 

Telefon rappelde. Weest doch mal stille. Ik verstah ja gein Woord. Well is daar? Petra van de Börkumer Kleinbahn? Wat seggt se? Tiss tau minn Water! De Dagesfahrt na Juist fallt ut!
 

 

Telefon rappelte. Seid doch mal stille. Ich versteh ja kein Wort. Wer ist da? Petra von der Borkumer Kleinbahn? Was sagt sie? Zuwenig Wasser! Die Tagesfahrt nach Juist fällt aus!
 


Jan Schneeberg
 

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