De grote Tohne

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Im folgenden plattdeutschen Beitrag werden auch die Tücken beschrieben, die sich in einem Krankenhaus nebenbei ergeben können.

Hinweis: Da auch die plattdeutsche Sprache - wie grundsätzlich jede Sprache - oft erst sinnentnehmend erschließbar wird, wurden zum besseren Verständnis der Sprachbildung an speziellen Stellen eine fast wörtliche Übersetzung von Teilsätzen und Begriffen innerhalb runder Klammern ( .. ) aufgezeigt.

Sprachausgabe des plattdeutschen Textes!

 

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De grote Tohne
 

 

Der große Zeh
 

Jan harr sück besehrt. Gein Bröke off ein Arm ut Litt, nee, bloot ein lüttje Sköör in de Finger. Sall wall van sülvt weer in de Riege koomen. Man ein paar Dage later begünnde dat tau puckern un dann was dat miteins  swullen. Ein Finger as ein Wurst, dej up't Knappen stunn.
 

 

Jan hatte sich verletzt. Kein Bruch oder ein ausgekugelter Arm, nein, nur ein kleiner Riss im Finger. Wird wohl von selbst wieder in Ordnung kommen. Aber ein paar Tage später begann das zu pochen und dann war es plötzlich geschwollen. Ein Finger wie eine Wurst, die vor dem Platzen stand.
 

Daar hulp all nix, he muss na de Doktor. Man dej was d'r neit, he harr ein ander Hülpe, ein Vertreter, ein Doktor van de Marine, ein groffe Keerl. Man de Piene was groot. Dat dürde man ein kaart Settje, daar kwamm he drinbrusen as ein Dreejmastschoner rund Kap Hoorn. „Zeig her die Flosse!“, bölke he, freewat butt in de Mund. Dann kneep de fieleinege Keerl wat up de sehre Finger um, dat Jan um Lücht hiemde. Was dat nödeg? Man sull hum eine an de Hals houen.
 

 

Es half alles nichts, er musste zum Doktor. Aber der war nicht da, er hatte eine andere Hilfe, eine Vertretung, ein Arzt von der Marine, ein grober Kerl. Aber der Schmerz war groß. Das dauerte nur eine kurze Zeit, da kam er reingerauscht wie ein Dreimastschoner rund Kap Hoorn. „Zeig her die Flosse!“ brüllte er, sehr derb im Mund. Dann kniff der bösartige Kerl auf dem verletzten Finger, dass Jan nach Luft keuchte. War das nötig? Man sollte ihm einen an den Hals hauen.
 

“Ab zum Krankenhaus! Schneiden!“ blaffde de Doktor un was an't slickmundjen. Jan harr dat Ziekenhuus noch noit van binnen seihn, dat was tau dej Tied noch in de Diekstrate. Kwamm man van de Süderstrate, muss man an de reformeierde Karkhoff vörbi. Mit de Doden kwammen de Lü van de ander Siet, bi Dahlmeyer um de Hauk. De Patienten gungen achter um tau na't Krankenhuus, daar wa de olde Leichenhalle stunn. Ein bitje wieder was de Isolierstation.
 

 

„Ab zum Krankenhaus! Schneiden!“ bellte der Doktor genüsslich (hier: sich auf das Essen freuen). Jan hatte das Krankenhaus noch nie von innen gesehen, das war in jener Zeit noch in der Deichstraße. Kam man von der Süderstraße, musste man am reformierten Friedhof vorbei. Mit den Toten kamen die Leute von der anderen Seite, bei Dahlmeyer (hier: Eckhaus mit der Familie Dahlmeyer) um die Ecke. Die Patienten gingen hinter herum zum Krankenhaus, da wo die alte Leichenhalle stand. Ein wenig weiter war die Isolierstation.
 

Jan stappde tau de Achterdör in, up de linke Siet was ein lüttje Upkamer. Sitten un wachten. An de Müre hungen de sneejwitte Kittels van de Börkumer Doktors, fein eineg stuuv binander mit de Name d'r over. Ein Schwester kwamm mit ein Baukje as ein Schaulheft un wull wat weiten:
 

 

Jan stapfte zur Hintertür rein, auf der linken Seite war ein kleines Zimmer (hier: Upkamer – ein kleiner Raum über dem Keller). Sitzen und warten. An der Mauer hingen die schneeweißen Kittel der Borkumer Doktoren, fein dicht beieinander mit dem Namen darüber. Eine Schwester kam mit einem Büchlein wie ein Schulheft und wollte etwas wissen:
 

Name? Geboren? Wenn Ja, warum un all sückse Künsten. Na ein Sett kwamm ein ander mit witte Schuude mit ein allemachdeg Spritze. “Zur Betäubung!“ smüsterlachde seej. Wat bin dat för Mensken. Sülvst hett man haast de Dood för de Oogen un dej könen noch lachen. Man is ja neit sehrkelleg un dat Puckern is uk all minder. Man kann ja uk na Huus gahn un de Finger in greune Seipe baden. Helpt seker völ beter.
 

 

Name? Geboren? Wenn Ja, warum und all diese Faxen. Nach einer Zeit kam eine andere mit weißer Schürze mit einer gewaltigen Spritze. “Zur Betäubung“ schmunzelte sie. Was sind das nur für Menschen. Selbst hat man fast den Tod vor den Augen und die können noch lachen. Man ist ja nicht wehleidig und das Pochen wird auch schon weniger. Man kann ja auch nach Hause gehen und den Finger in grüner Seife baden. Hilft sicher viel besser.
 

„Mitkommen!“ Ein Dragoner van Froumenske leip mit Jan dör de lange düster Flur in de lüttje Operationsruum. Daar stunn he nu. Verlaaten, sünder Hülpe. In de Hauk stunn de Doktor mit ein leeren Schuude vör as ein Schlachter in de Wurstköken. Sien Oogen tinkelten. Dej Mann is uk noch Jager un weit seker heil genou, hau man ein Kniene fillt off ein Aante de Strött dörsnitt.
 

 

“Mitkommen!“ Ein Dragoner von Frauenzimmer (hier: Frauenmensch) lief mit Jan durch den langen düsteren Flur in den kleinen Operationsraum. Da stand er nun. Verlassen, ohne Hilfe. In der Ecke stand der Doktor mit einer ledernen Schürze (vor) wie ein Schlachter in der Wurstküche. Seine Augen glitzerten. Der Mann ist auch noch Jäger und weiß sicher ganz genau, wie man ein Kaninchen häutet oder einer Ente den Hals durchschneidet.
 

“Hinlegen!“ kwamm dat Kommando. Jan leit sück sachte up de kolde Tavel glieden, man skoot as ein Stahlfeere weer umhoog. He waarde anblafft um sien Skau un dat moje süwer Laken. Daar satt he nu tau knüsseln mit sien Skaubanden. Rechte Skau ut, linke Skau ut. Man wat was dat? Ut ein Strümpe luurde de groote Tohne neesgiereg na buten. S'mörgens was doch noch all in de Riege west. Un nu dat! Wat schenant för de frömde Lü.
 

 

“Hinlegen!“, kam das Kommando. Jan ließ sich vorsichtig auf den kalten Tisch gleiten, aber schoss wie eine Stahlfeder wieder hoch. Er wurde angebellt wegen seiner Schuhe und dem schönen sauberen Laken. Da saß er nun zu fummeln mit seiner Schuhbändern. Rechter Schuh aus, linker Schuh aus. Aber was war das? Aus einem Strumpf lauerte der große Zeh neugierig nach draußen. Morgens war doch noch alles in Ordnung gewesen. Und jetzt das! Wie peinlich vor den fremden Leuten.
 

Man he harr gein Tied tau siemeleiern. De Froulü un de Doktor harrn dat drock un wassen an't pieren: Tau! Flügg up! Jan in sien Nood haalde de Strümpe so'n bitje an un friemelde hör un de Tohnen fast. So muss dat gahn. De Baul düchdeg binander kniepen.
 

 

Aber er hatte keine Zeit zu überlegen. Die Frauen und der Doktor hatten das eilig und waren am sticheln: Zu! Wohlauf! Jan in seiner Not zog den Strumpf ein wenig an und fummelte ihn unter den Zehen fest. So musste das gehen. Die Sache tüchtig zusammen kneifen.
 

As Jan nu weer up de Rügge lagg un de Doktor begünnde tau snippeln, see dat miteins van „Pling“ un de dicke Ulfert stunn as ein Höftpahle pieleliek in de Höchte. Dat sagg ut as ein old Wiev mit ein Swanehals un ein sülvst gebraide Borstrunje drumtau.
 

 

Als Jan nun wieder auf dem Rücken lag und der Doktor anfing zu schnippeln, sagte das plötzlich „Pling“ und der dicke Ulfert (hier: scherzhaft für Vollmond) stand wie ein Buhnenpfahl pfeilgerade in der Höhe. Das sah aus wie ein altes Weib mit einem Schwanenhals und eine selbst gestrickte Unterjacke drum herum.
 

Jan hett de Baul overleevt, man he is nu heil versichdeg. Uk as he na't de Barbier tau Haarsnieden geiht, treckt he frisse Strümpen an.
 

 

Jan hat die Sache überlebt, aber er ist nun ganz vorsichtig. Auch wenn er zum Friseur geht zum Haareschneiden, zieht er frische Strümpfe an.
 


Jan Schneeberg
 

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