Frou Pestoor

Frou Pestoor

Frou Pestoor

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Der folgende plattdeutsche Beitrag beschreibt nicht nur den Alltag eines Geistlichen in Ostfriesland, sondern auch ein kurioses und allzu natürliches Missverständnis, hervorgerufen durch die ungeschickte Formulierung seiner Frau.

Hinweis: Da auch die plattdeutsche Sprache - wie grundsätzlich jede Sprache - oft erst sinnentnehmend erschließbar wird, wurden zum besseren Verständnis der Sprachbildung an speziellen Stellen eine fast wörtliche Übersetzung von Teilsätzen und Begriffen innerhalb runder Klammern ( .. ) aufgezeigt.

Sprachausgabe des plattdeutschen Textes!

 

Start der Sprachausgabe: Mausklick auf das obige Dreieck

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Frou Pestoor
 

 

Frau Pastor
 

As ein Mann frauger studeiert harr un de Universität achter de Rügge harr, was he wiss Doktor off tauminnst Pestoor. Kreeg he ein gaude Stee un harr sien Inkoomen, söchte he ein jung Wicht, dej mit hum dör’t Leven stappen wull. Un de Lü in sien Kuntrei seen tegen sien Frou uk van „Frou Doktor“ off „Frou Pestoor“, uk wenn seej noit studeiert harr. Dat was so.
 

 

Wenn ein Mann früher studierte und die Universität hinter sich hatte (hinter dem Rücken), war er bestimmt Doktor oder zumindest Pastor. Bekam er gute Stelle und hatte sein Einkommen, suchte er ein junges Mädchen, die mit ihm durch's Leben gehen (hier: stapfen) wollte. Und die Leute in seinem Gebiet sagten zu seiner Frau auch „Frau Doktor“ oder „Frau Pastor“, auch wenn sie nie studiert hatte. Das war so.
 

So harr sück uk ein jung Paartje in ein Dörp in Oostfreisland funnen. He was Pestoor un ein gaude Heerder. Man sien Skapen as dicke Buren harrn hör Husen wiet utnander un as Pestoor hör beseuken wull, muss he dicke Stevels antrecken. Straten gaff dat neit völ, man völ Sliek un Klei. Un kwamm Pestoor weer na sien Hunk, truck he futt de sware Stevels ut. Man he was in de letzde Jahren düchdeg gröit un harr ein Pans as ein Amtmann un bi dat Geknauje mit de Stevels begünnde he tau pusten un stähnen.
 

 

So hatte sich auch ein junges Paar in einem Dorf in Ostfriesland gefunden. Er war Pastor und ein guter Hirte. Aber seine Schafe als dicke Bauern hatten ihre Häuser weit auseinander und wenn (der) Pastor sie besuchen wollte, musste er dicke Stiefel anziehen. Straßen gab es nicht viel, aber viel Schlick und Marscherde. Und kam der Pastor wieder zu seiner Behausung, zog er sofort die schweren Stiefel aus. Aber er hatte in den letzten Jahren tüchtig zugenommen und hatte eine Wampe wie ein Amtmann und bei der Plackerei mit den Stiefeln begann er zu pusten und zu stöhnen.
 

He muss Stön hebben, anders lagg he futt up de Rügge. So gung he alltied in de Slapkamer, hollde sück mit ein Hand an de Wand fast un fung an tau knaujen mit de Stevels. Sien Ollske, ein Hellhaake un trankiel Menske, was brissen. In de Loop van de Jahren was an de Tepeite ein grote swarte Stee, waar Pestoor alltied Stöön funnen harr. Sien Frou skull un futerde, man Domine gung neit van sien Wennst off.
 

 

Er musste (einen) Halt haben, sonst lag er gleich auf dem Rücken. So ging er immer in das Schlafzimmer, hielt sich mit einer Hand an der Wand fest und quälte sich mit den Stiefeln. Seine Ehefrau (Alte), ein Hausdrache und couragiertes Frauenzimmer, war wütend. Im Lauf der Jahre war an der Tapete eine große schwarze Stelle, wo (der) Pastor immer Halt gefunden hatte. Seine Frau schimpfte und meckerte (holl. briesen - schnauben, brüllen), aber der (reformierte) Prediger ging nicht von seiner Gewohnheit ab.
 

Miteins gung dat in Dörp rund: Hest all hört? Pestoor is dood! Stuuvdood hett he mörgens up Bedde legen. Och Heer, nee, wat’n Baul. Frou Pestoor kunn in hör Huus blieven, dat harr de Gemeinderat hör tauseggt un as de Trürdagen vörbi wassen, gung seej dör de Rüümten un de dicke swarte Stee in de Slaapkamer harr seej futt in de Luur. Dat mutt anders. Hülpe mutt d’r her. Man dat sall neit so dür wesen. In de Nahberskup wohnde ein oldere Mann, dej was flieteg un harr för dat Wark de rechte Handen. Mörgen wull seej hum fragen, off heej wall bi hör komen wull. Seej harr d’r wat un dat was Mannlüwark. Mehr mutt heej neit weiten. 
 

 

Plötzlich gab es das Dorfgespräch: Hast du schon gehört? (Der) Pastor ist tot! Mausetot hat er morgens im Bett gelegen. O Herr, nee, welch (schreckliche) Sache. Frau Pastor konnte in ihrem Haus bleiben, das hatte der Gemeinderat ihr zugesagt und als die Trauertage vorbei waren, ging sie durch die Räumlichkeiten und die dicke schwarze Stelle im Schlafzimmer hatte sie gleich im Blick. Das musste anders. Hilfe muss her. Aber das soll nicht so teuer sein. In der Nachbarschaft wohnte ein älterer Mann, der fleißig war und für die Arbeit die richtigen Hände hatte. Morgen wollte sie ihn fragen, ob er wohl zu ihr kommen wollte. Sie hätte da etwas und das wäre Männerarbeit. Mehr musste er nicht wissen.
 

Ein paar Dage later stunn disse Mann bi Frou Pestoor vör de Dör. Seej neugde hum na binnen tau ein Koppke Tee. Dat is in Oostfreisland alltied so west. As heej dreej Koppkes up harr un ein groot Stück Botterkauke, stunn seej up un see:”So. Moij, dat Ji mi helpen willn. Dusend Dank! Nu willn wi beiden even in de Slaapkamer gahn un dann will ik hör wiesen, waar Herr Pestoor alltied hen packt hett!”
 

 

Ein paar Tage später stand dieser Mann bei Frau Pastor vor der Tür. Sie bat ihn herein zu einer Tasse Tee. Das ist in Ostfriesland immer so gewesen. Als er drei Tasse getrunken (hier: auf hatte) und ein großes Stück Butterkuchen, stand sie auf und sagte:“ So. Schön, dass Sie mir helfen wollen. Tausend Dank! Nun wollen wir beide eben ins Schlafzimmer gehen und dann will ich Ihnen zeigen, wo (der) Herr Pastor immer hingefasst hat!“.
 

Dej Mann keek hör an mit grote Oogen: “ Och Heer, Frou Pestoor, dat laaten Seej man. Ik bin ein olde Mann. Geven Seej mi man leiver ein Zigarre!“
 

 

Der Mann guckte sie an mit großen Augen: „ O Herr, Frau Pastor, das lassen Sie ruhig sein. Ich bin ein alter Mann. Geben Sie mir lieber eine Zigarre!“
 

Man mutt mitnander proten!
 

 

Man muss miteinander reden!
 


Jan Schneeberg
 

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