Doktor in Huus

Doktor in Huus

Doktor in Huus

N_Turm
strahl_N_Turm

Der folgende lustige plattdeutsche Beitrag beschreibt die Not und den Erfindungsreichtum eines eines verheirateten Borkumers.

Hinweis: Da auch die plattdeutsche Sprache - wie grundsätzlich jede Sprache - oft erst sinnentnehmend erschließbar wird, wurden zum besseren Verständnis der Sprachbildung an speziellen Stellen eine fast wörtliche Übersetzung von Teilsätzen und Begriffen innerhalb runder Klammern ( .. ) aufgezeigt.

Sprachausgabe des plattdeutschen Textes!

 

Start der Sprachausgabe: Mausklick auf das obige Dreieck

Borkum_WP2
fahne_alt_borkum_1
mast_Banner_200_Sl
klaasohm_1
borkumerin_1

 

Doktor in Huus
 

 

Doktor im Haus
 

Daar kwamm vör Jahr un Dag ein oldere Börkumer Frou bi de Doktor, glee wat up de Staule hen un her un kwamm mit hoge Woord d'r neit ut. De Doktor, sülvst ein Börkumer Jung, bedaade hör: Wat is d'r dann? Waar deit dann seer? Dej Frou haalde ein deipe Sücht: Tiss ja neit um mi, ik hebb ja so Sörge um mien Manntje. He geiht ja neit na de Doktor, dat bin all Klamphouers, seggt he. Man ik bin so benaut – Nee, tiss ja schenant tau vertellen, ik mag haast neit seggen. Jeißes, Nee, see de Doktor, wi bin ja all utwussen Lü, drut mit de Woorden.
 

 

Da kam vor vielen Jahren (hier: Jahr und Tag) eine ältere Borkumer Frau zum Doktor, rutschte auf dem Stuhl hin und her, kam nicht zu Potte [hier: mit dem hohen Wort nicht heraus]. Der Doktor, selbst ein Borkumer Junge, beruhigte sie: Was ist denn los? Wo tut es denn weh? Die Frau seufzte [hier: holte einen tiefen Seufzer]: Es ist ja nicht wegen mir, ich habe ja solche Sorgen um meinen Mann  [hier: Männchen]. Er geht ja nicht zum Doktor, das sind alles Pfuscher [hier: wörtlich schlechte Handwerker], sagt er. Aber ich bin so bedrückt [ängstlich] – es ist so peinlich zu erzählen, ich mag es fast nicht sagen. Jesus, Nee, sagte der Doktor, wir sind ja alle erwachsene Leute, raus mit den Worten.
 

Tja, kiekes, Herr Doktor, ik will't man liekut seggen, man ik dau mien Oogen na beneden. In't greune Blattje un Apotheker-Rundschau hebb ik lesen, dat oldere Keerls bitieden Last hebben, as seej ut de Büx mutten, mit ein Woord: mien Keerlke, he flüggt mi tau faak up Hüsche!
 

 

Tja, guck Herr Doktor, ich will es geradeaus sagen, aber ich mache [hier: tue] meine Augen nach unten. Im Grünen Blättchen und in der Apotheker-Rundschau habe ich gelesen, dass ältere Kerle bisweilen Last (Mühe)  haben, wenn sie aus der Hose müssen, mit einem Wort, mein Mann [hier Kerlchen- Kosename für männliches Kind] läuft [hier: fliegt] zu oft zur [hier: auf] Toilette.
 

Tja, see de Doktor, daar is wat an. Dat gebört fakers, daar mutt man ein Oog up hebben. Man wat nu? As ik mit mien Fingers neit an sien Licham dör, kann ik d'r nix wieder over seggen.
 

 

Tja, sagte der Doktor, das stimmt [hier: da ist was dran]. Das passiert öfter, das muss man im Auge behalten [hier: da muss man ein Auge drauf haben]. Aber was jetzt? Wenn ich mit meinen Fingern nicht an seinen Körper darf, kann ich da nichts weiter drüber sagen.
 

Kiek, see dat Froumenske, ik hebb mi so docht, off dat wall angahn kunn, ji bin doch ein olde Fründ van mien Macker, hebben in de Skaule up sülwegste Bankje setten. As Ji man even bi uns inluuren, mag ja wesen, dat he dann wat ein bitje mehr proot un neit so stiekum is as alltied un ji könen hum overhaalen, sück underseuken tau laaten. Man Ji dörn neit flappen, anders is he lelk un de heile Dag an't murtjen.
 

 

Kuck, sagte die Frau [Frauenzimmer], ich habe mir so gedacht, ob das wohl angehen kann, Sie sind doch ein alter Freund von meinen Mann [Mitgesellen], haben in der Schule auf der gleichen Bank gesessen. Wenn Sie eben bei uns reingucken, mag ja sein, dass er dann etwas gesprächiger ist, nicht so verschwiegen [oder heimlich] wie sonst immer und Sie könnten ihn überzeugen [hier: überholen] sich untersuchen zu lassen. Aber Sie dürfen mich nicht verraten [.. Sie dürfen nicht petzen, ..], sonst ist er böse und den ganzen Tag am Murren [brummen].
 

De olde Doktor harr d'r nix up teegen un ein paar Dage later stunn he bi dat Paartje up Drüppel. De Heer van't Huus keek freewat verbaast, man neugte hum in de beste Vörkamer. De Frou harr dat miteins düchdeg drock, muss na de Pott kieken. De beide Mannlü kwammen in't Gespreck, fungen an tau akkedeiern over Ditjes un Datjes, over olde Tieden, dej alltied völ beter bin as vandage.
 

 

Der alte Doktor hatte nichts dagegen und ein paar Tage später stand er bei dem Pärchen auf der Türschwelle. Der Herr des Hauses guckte etwas betroffen, aber er nötigte ihn in das gute Wohnzimmer [hier: vorderstes Zimmer, das tägliche Leben spielte sich in der Küche ab]. Die Frau hatte miteins viel zu tun, musste nach dem Topf gucken. Die beiden Männer kamen ins Gespräch, fingen an zu diskutieren über Dieses und Jenes, über alte Zeiten, die immer viel besser sind als heutige.
 

Süchst bestgaud ut, see miteins de Doktor, Kopp as ein Brickje, Pans as ein Amtmann, moij glatt in't Fell. Tja, smeet sück de Olde in de Borst, wat will d'r van seggen. Eeten un Drinken wall lecker, Dövke is an't dampen. Achterpoortje is uk open, as de olde Doktor Schmidt alltied seggt hett.
 

 

Siehst sehr gut aus, sagte plötzlich der Doktor, Kopf wie ein Brikett [hier Presskohle, auch Tablett, Untersatz], Bauch [hier: Wanst] wie ein Amtmann, schön glatt im Fell. Tja, warf der Alte sich in die Brust, was soll's [hier: was will man davon sagen]. Essen und Trinken überaus lecker, das Pfeifchen ist am Dampfen, Hinterpforte ist auch geöffnet, wie der alte Doktor Schmidt immer gesagt hat.
 

Un hau is mit de Schürdör, wull de Doktor weiten. Du weißt ja wall wi bin in de Jahren, uk daar mutt man ein Oog up hebben. Sien Tegenover kwamm d'r neit recht achter, man na ein kaart Settje harr d'r begrepen, waar dat um gung. Och Gommes Nee, see d'r, freewat butt in de Mund, daar hebb ik gein Last van. Ik kann strullen as ein junge Voss.
 

 

Und wie ist es mit dem Scheunentor [hier: übertr.  Hosenstall], wollte der Doktor wissen. Du weißt ja wohl, wir sind in den Jahren, da muss auch das im Auge behalten werden [hier: auch da muss man ein Auge drauf haben]. Sein Gegenüber kam erst nicht richtig dahinter, aber nach einer kurzen Zeit hatte er begriffen, wo es drum ging. Ach Gott [Anmerkung Wörterbuch: och Gommes: Kontraktion von Gott mit uns] Nee, sagte er, sehr gewöhnlich [im Mund], da habe ich keine Probleme [hier: da habe ich keine Last von]. Ich kann strullen wie ein junger Fuchs.
 

Na nu kiekes, see de Doktor, dann is ja all best up Stee. Daar kann ja ein Lüttje up stahn. Tiss nettekraat Tied för ein Elführtje. Hest gein Söpke bi de Hand? Dat Woord was d'r noch neit heil drut, daar skoot de Olle over't Ende, neide in Hundjedrafft na de Dör, lurde um de Hauk un keek off Ollske d'r wall was, kwamm up Toonjes weer taurügg, gung sitten un see tegen de Doktor: Ik mutt di wat vertellen. Ik mag ja so düwels geern ein lüttje Söpke, neit tauvöl, nee, dagelk man tweeje off dreeje. Man mien Ollske, dej Hellhaake, dej hett de Pest in up de glujende Jenever.
 

 

Na nun guck, sagte der Doktor, dann ist ja alles in bester Ordnung. Da kann ja ein Kleiner draufstehen. Es ist gerade Zeit für ein Elführtje. Hast du keinen [Schnaps] bei der Hand? Das Wort war noch gar nicht ganz draußen, da schoss der Alte hoch, flitzte im Hundetrab zur Tür, lauerte um die Ecke, ob die Alte da wohl war, kam auf Zehen wieder zurück, ging sitzen und sagte zu [hier: gegen] dem Doktor: Ich muss dir was erzählen. Ich mag ja beim Teufel gerne einen kleinen Schnaps, nicht zu viel, nee, täglich nur zwei oder drei. Aber meine Alte, diese herrschsüchtige zänkische Person [Schürhaken bei der Feuerstelle ursprünglich] die hasst [hier: hat die Pest] den glühenden Genever.
 

Nu sitt di daar eine tegenover tau kukeluren mit kwade Oogen, daar flüggt di ja elke Drüppke dwars dör de Gagel. Dann bin ik d'r bigahn un hebb mien Buddel verstoppt an verskeiden Steen in Huus, man dat was uk miss, dat was overall tau warm. Bi ein Söpke mutt man moij fredelk sitten un geneiten un de klare Jan Blixem  mutt iskold wesen, dann is dat lecker. Kiek un dann bin ik d'r achterkomen, waar mien Slickereej gaut boorgen was un fein kold bleev: in't Waterbackje boven over dat Hüsche. Un dat dat so blifft, mutt ik nu fakers hen an de Kette tau trecken!
 

 

Nun sitzt dir eine gegenüber zu lauern mit bösen Augen, da fliegt dir ja jeder Tropfen quer durch die Gurgel. Dann bin ich dabei gegangen und habe meine Flasche [Buddel] versteckt an verschiedenen Stellen im Haus, aber das war auch verkehrt, das war überall zu warm. Bei einem Schnaps muss man schön friedlich sitzen und genießen und der klare „Jan Teufel“ muss eiskalt sein, dann ist das lecker. Guck und dann bin ich dahinter gekommen, wo meine Schleckerei gut aufbewahrt war und schön kalt blieb: in dem Wasserkasten oben über der Toilette. Und damit das so bleibt, muss ich öfter hin und an der Kette ziehen!
 

Jan Schneeberg
 

but_Turm_home_L_120
ButtonUebers
ButtonZurueck
ARROW2O
ARROW2L

Ebene 3

ARROW2R

Ebene 3

borkumerin_2b
BackGr_Sand_A_O
BackGr_Sand_A_U
BackGr_Sand_Ecke_LO
BackGr_Ecke_RO
BackGr_Sand_Ecke_LU
BackGr_Ecke_RU2
Leerkasten
Moewe2a