Nu hebben wi Saison

Nu hebben wi Saison

Nu hebben wi Saison

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Der folgenden plattdeutschen Beitrag beschreibt kurz und eindrucksvoll die feinen Unterscheidungen zwischen “Saison-” und “nicht Saisonzeiten”. Diese beeinflussen nicht nur den weltlichen Tagesablauf, sondern sie können selbst auch auf die religiösen Rituale elementaren Einfluss nehmen.

Hinweis: Da auch die plattdeutsche Sprache - wie grundsätzlich jede Sprache - oft erst sinnentnehmend erschließbar wird, wurden zum besseren Verständnis der Sprachbildung an speziellen Stellen eine fast wörtliche Übersetzung von Teilsätzen und Begriffen innerhalb runder Klammern ( .. ) aufgezeigt.

Sprachausgabe des plattdeutschen Textes!

 

Start der Sprachausgabe: Mausklick auf das obige Dreieck

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nu hebben wi Saison
 

 

... jetzt haben wir Saison
 

  T'was vör Jahr un Dag. Dat liggt Jahren taurügg. Tau dej Tied harrn de Vaders un Mauders mehr Kinder as vandage. Bi de Akkermanns un bi de Teerlings, um tweej olde Börkumer Familien tau neumen, wassen tien bit dartien Kinder nix besünders. Un dat was neit so mackelk hör dör de Tied tau kriegen. Dat gung bitieden freewat ruug her in so ein grote Huusholln, man bi all dej Drockde un dat Wark hett man eins noit vergeten:
 

 

 Es war vor Jahr und Tag. Das liegt Jahre zurück. Zu der Zeit hatten die Väter und Mütter mehr Kinder als heute. Bei den Akkermanns und bei den Teerlings, um zwei alte Borkumer Familien zu nennen, waren zehn bis dreizehn Kinder nichts Besonderes. Und das war nicht so einfach sie durch die Zeit zu bekommen. Das ging bisweilen ordentlich rau zu in so einem großen Haushalt, aber bei aller Geschäftigkeit und Arbeit hat man eins nie vergessen:
 

kwamm dat Middageten up de Tavel, satt de heile Familie binander un bevör Mauder an upschkeppen was, muss de jungste Söhn dat Gebedd proten un de Heergott Dank seggen för dat lecker Mahl.
 

 

kam das Mittagessen auf dem Tisch, saß die ganze Familie zusammen und bevor Mutter auftischte (hier: am Auftischen war), musste der jüngste Sohn das Gebet sprechen und dem Herrgott Dank sagen für das leckere Mahl.
 

Man in de Sömmer, in de Baadtied, was dat alltied ein bitje anders. De Badegasten stunnen in de Midde un dat heile Leven drumtau dreihde sück bloot um de Lü van de faste Walle. Mauder muss bitau noch de Waske koken un na de Bleike brengen, de Kamers hemmeln un bi ein neeje Anreise mit witte Skude vör de Dör wachten. De Kinder mussen in Huus stille wesen (Pst - de Badegasten komen!) un de grote Kuffers van un na de Bahnhoff brengen. Vader stunn vör't Huus mit de lange Piepe tau dampen, man as de Drockde hum tauvöl was, gung heej ankerup, in't Hopp na de Boot off mit sien Paschepanten hen tau granatjen. Un so was uk bitieden dat Middageten neit so as man dat in de lange Wintermaanden wennt was.
 

 

Aber im Sommer, in der Badezeit (so wird auf Borkum die Sommersaison genannt), war das immer ein wenig anders. Die Badegäste standen im Mittelpunkt (hier: in der Mitte) und das ganze Leben drumherum drehte sich nur um die Leute von Festland (hier: fester Wall). Mutter musste zusätzlich noch die Wäsche kochen und zur Bleiche (Rasen- oder Wiesenstück) bringen, die Zimmer säubern und bei einer neuen Anreise mit weißer Schürze vor der (Haus-)Tür warten. Die Kinder mussten im Haus still sein (pst- die Badegäste kommen!) und die großen Koffer von und zum (hier: nach dem) Bahnhof bringen. Vater stand vor dem Haus mit der langen Pfeife zu dampfen, aber wenn ihm die Betriebsamkeit (Geschäftigkeit) zu viel wurde, ging er los (hier: Anker auf), ins Hopp (Gewässer an der Ostseite Borkums) zu dem Boot oder mit seinen Kumpels hin zum Granat (Garnelenart) fangen. Und so war auch bisweilen das Mittagessen nicht so wie man das in den langen Winterabenden gewöhnt war.
 

Nu mutt man neit meinen, dat de Saison so lang was as vandage. Bit tau de 15. Mai was Börkum noch ein lüttjet Dörp, man van dej Dag off an  kwammen seej, de fiene Lü mit hör hoogdütse Sprake. Un dat Leven leip anders as vörtied.
 

 

Nun muss man nicht meinen, dass die Saison so lange war wie heute. Bis zum 15. Mai war Borkum noch ein kleines Dorf, aber von dem Tag an kamen sie, die feinen Leute mit ihrer hochdeutschen Sprache. Und das Leben verlief anders als vorher.
 

Man up so ein 15. Mai is dit gebört up't Eilandje Börkum: De Familie satt um de Middagstied all mitnander an de Tavel un man harr noch gein Badegasten. Dej kwammen dat Jahr ein paar Dage later. Vader follde sien Handen un see tegen sien jungste Söhn: Willm, segg dat Gebedd mit Dank an de Heer!
 

 

Aber an so einem 15. Mai ist dies passiert auf der Insel (hier: Inselchen) Borkum: Die Familie saß um die Mittagszeit alle zusammen an dem Tisch und man hatte noch keine Badegäste. Die kamen in jenem Jahr ein paar Tage später. Vater faltete seine Hände und sagte zu seinem jüngsten Sohn: Willm, sag das Gebet mit Dank an dem Herrn!
 

Willm skoot umhoog, harr de Lepel all in de Hand un see düdlek un mit faste Stemme: „Nee, Vader, nu mutt ik neit mehr beden, nu hebben wi Saison!“
 

 

Willm schoss hoch, hatte den Löffel schon in der Hand und sagte deutlich mit fester Stimme: “Nein, Vater, jetzt muss ich nicht mehr beten, jetzt haben wir Saison!“


Jan Schneeberg
 

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