Dat Hemd van de Nacht

Dat Hemd van de Nacht

Dat Hemd van de Nacht

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Der folgende plattdeutsche Beitrag gibt einen weiteren Einblick in das  Lebens der Insulaner mit ihren Gästen und könnte unter dem Motto “Dumm gelaufen” stehen!

Hinweis: Da auch die plattdeutsche Sprache - wie grundsätzlich jede Sprache - oft erst sinnentnehmend erschließbar wird, wurden zum besseren Verständnis der Sprachbildung an speziellen Stellen eine fast wörtliche Übersetzung von Teilsätzen und Begriffen innerhalb runder Klammern ( .. ) aufgezeigt.

Sprachausgabe des plattdeutschen Textes!

 

Start der Sprachausgabe: Mausklick auf das obige Dreieck

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Dat Hemd van de Nacht
 

 

Das Nachthemd
oder
Das Hemd von der Nacht
 

Martha un Kalli hebben noch ein Pension mit Frühstück, neit so neejmaudse Ferienwohnungen. Un de Kamers bin alltied gaud verhürt. Anderlessens gung dat Telefon un ein Heer wull ein Kamer hüren, tausamen mit sien Frou, för dreej off veier Dage. Kiek, daar is nett ein Lücke, dann willn wi man seggen van Ja. Dat Paartje kwamm. Heej gaud in’t Fleiss, mit ein fix Lievke,  Hemd bit tau de Naffel open, fixe Dotte Haaren up de Borst un ein allemachdeg Goldkettje um de Hals. Na sien Proten harr heej ein Fabrik un alltied düchdeg Geld in’t Knippke. Sien Ollske Stück off wat Jahren junger, feine Figur, alles satt an de rechte Stee.
 

 

Martha und Kalli haben noch eine Pension mit Frühstück, nicht so neumodische Ferienwohnungen. Und die Zimmer sind jederzeit gut vermietet. Neulich ging das Telefon und ein Herr wollte ein Zimmer mieten, zusammen mit seiner Frau, für drei oder vier Tage. Guck, da ist gerade eine Lücke, dann wollen wir mal Ja sagen. Das Pärchen kam. Er gut im Fleisch, mit einem tüchtigen Bäuchlein, Hemd bis zum Nabel offen, einen ordentlichen Haufen Haare auf der Brust und ein gewaltiges Goldkettchen um den Hals. Nach seinen Erzählungen hatte er eine Fabrik und jederzeit viel Geld im Portemonnaie. Seine Ehefrau [seine Alte] eine Anzahl von Jahren jünger, feine Figur, alles saß an der rechten Stelle.
 

Elke Avend wassen dej beiden up Padd. Düchdeg eten un drinken, man as seej laat mit ‘n Snee in’t  Ohr na Huus kwammen, wassen seej an’t juchtern un malljagen, dat ander Gasten all ein bitje grammieterg keken. Un mörgens neit tau’t Nüst ut. Um tien Ühr gung Martha mit de Huulbessen dör de Flur, all up un daal, un seej hett uk fakers mit de Stoffsuger tegen de Dör stött. Evkes lüstern. Na ja, kiek, kummt ja wat Bewegen in de Kamer.
 

 

Jeden Abend waren die beiden unterwegs [Pfad - schmaler Weg]. Tüchtig essen und trinken, aber wenn sie spät beschwippst [angeheitert - wörtlich: mit einem Schnitt im Ohr!] nach Hause kamen, neckten sie sich und alberten herum [.., waren sie am Necken und Herumalbern,], dass die anderen Gäste schon ein wenig unfreundlich guckten. Und morgens nicht aus dem Nest heraus. Um zehn Uhr ging Martha mit dem Staubsauger [Heulbesen] durch den Flur, immer rauf und runter, und sie stieß auch öfter mit dem Staubsauger gegen die Tür. Eben lauschen. Na ja, kuck, es kommt ja Bewegung ins Zimmer.
 

Na veier Dagen kwamm de Reken up de Tavel. Dej Badegast see, t’was heil moij west up’t Eiland, man ein lüttje Skientje bitau harr d’r neit over. Uk gein Blaumke off ein Kische Pralinee. Wat sallt. Un dej Parfümrök van dej beiden satt in de Gardinen un in’t Beddegaud un gung d’r haast neit ut. Bi’t Skoonmaken funn Martha under de Bedden ein Stückje Stoff, dat was ein Nachthemd. Man wat för eine. Ut Siede, kunnst haast dörkieken, heil fien un heil lüttjet. Ein peperdür Dingereis. Martha hollde sück de lüttje Freejskieterke vör de Borst un gung na Kalli: Na, wat hollst daarvan? Kalli waarde recht ein bitje witt um de Nöse: Hest du di dat kofft? Is dej neit ein bitje lüttjet för di? Verkaul di man neit! Martha see van Törffkopp un gnees tüsken de Tannen: Bitieden sull man de Keerl in de Maarse skuppen.
 

 

Nach vier Tagen kam die Rechnung auf den Tisch. Der Badegast sagte, es wäre sehr schön gewesen auf der Insel, aber einen kleinen Schein zusätzlich hatte er nicht über. Auch kein Blümchen oder ein Kästchen Pralinen. Was solls. Und der Parfümgeruch von den beiden saß in den Gardinen und im Bettzeug und ging dort beinah nicht raus. Beim Saubermachen fand Martha unter den Betten ein Stückchen Stoff, das war ein Nachthemd. Aber was für eins. Aus Seide, konntest beinahe durchgucken, ganz fein und ganz klein. Ein sündhaft  teures Ding. (pfefferteuer - Ausdruck soll aus der Zeit der Kontinentalsperre kommen, als der Pfeffer sehr teuer war) Martha hielt sich das kleine Hemdchen [Freischeißerchen] vor die Brust und ging nach Kalli: Na, was hältst davon? Kalli wurde richtig ein wenig weiß um die Nase: Hast du dir das gekauft? Ist das nicht ein bißchen klein für dich? Erkälte dich nur nicht! Martha sagte etwas von Torfkopp und knirschte zwischen den Zähnen: Bisweilen soll man den Kerl in den Hintern treten.
 

Mörgen, as de Lü weer in hör Hunk bin, will ik hör evkes anraupen, see Martha, dann stür ik hör dat Dingereis weer tau. Dann is de Frou seker bliede. In de Anmeldung steiht de Adresse, dann kann ik ja bi de Auskunft na de Telefonnummer fragen. Dat Menske an’t ander Ende melde sück mit de rechte Name un Martha vertellde hör heil fründlek van dat Nachthemd, dat seej funnen harr.
 

 

Morgen, wenn die Leute wieder in ihrem Zuhause sind, will ich sie eben anrufen, sagte Martha, dann schicke ich das Ding wieder zu. Dann ist die Frau sicher froh. In der Anmeldung steht die Adresse, dann kann ich ja bei der Auskunft nach der Telefonnummer fragen. Die Frau am anderen Ende meldete sich mit dem richtigen Namen und Martha erzählte ihr ganz freundlich von dem Nachthemd, das sie gefunden hatte

 

Dodstille. Miteins futerde de Frou, dat seej noch noit up Börkum west was. Un wat dat sull! Un wat dat för ein Wiev west was! Un seej harr nu de Nöse vull!  Alltied dej Kleiereej van hör Keerl mit junge Wichter! Seej wull futt na de Avkaat hen! Dej Blixem sull bleuden, dat hum de Ogen tranen!  Un un harr seej ja ein Tüge. Bitte Name und Anschrift! Martha bleev de Lücht in’t Halsgatt sitten. Sachte, heil sachte hett seej de Hörer van’t Telefon weer daal leggt. Noit, noit weer stür ik de Badegasten hör Baul na, dej se liggen laten hebben, see Martha.
 

 

Totenstille. Mit einem Mal schimpfte die Frau, dass sie noch nie auf Borkum gewesen war. Und was das sollte! Und was für ein Weib das gewesen war! Und sie hätte jetzt die Nase voll! Immer diese Schmiererei von ihrem Mann mit jungen Mädchen! Sie würde sofort zu dem Rechtsanwalt hin! Der Teufel soll bluten, dass ihm die Augen tränen. Und jetzt hätte sie ja einen Zeugen. Bitte Namen und Anschrift! Martha blieb die Luft im Hals sitzen. Vorsichtig, ganz vorsichtig hat sie den Hörer vom Telefon wieder hinunter gelegt. Nie, nie wieder schicke ich den Badegästen ihre Sachen nach, die sie liegen gelassen haben, sagte Martha.
 

Un waar is dat Hemd van de Nacht nu? Fragt man Martha, is seej bloot an smüsterlachen un seggt nix.
 

 

Und wo ist das Nachthemd [.. Hemd von der Nacht ..] jetzt? Fragt man Martha, ist sie nur am schmunzeln und sagt nichts.
 


Jan Schneeberg
 

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