Waar sall ik hen?

Waar sall ik hen?

Waar sall ik hen?

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Der folgenden plattdeutschen Beitrag beschreibt die emotionalen Problematiken einer Scheidung aus der Perspektive der unschuldigen Kinder. Eine Erzählung, die auch einmal zum Nachdenken anregen sollte.

Hinweis: Da auch die plattdeutsche Sprache - wie grundsätzlich jede Sprache - oft erst sinnentnehmend erschließbar wird, wurden zum besseren Verständnis der Sprachbildung an speziellen Stellen eine fast wörtliche Übersetzung von Teilsätzen und Begriffen innerhalb runder Klammern ( .. ) aufgezeigt.

Sprachausgabe des plattdeutschen Textes!

 

Start der Sprachausgabe: Mausklick auf das obige Dreieck

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Waar sall ik hen?
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Seej was ein nümeg Wicht un noch freewat lüttjet.  Man seej harr Ogen un Ohren. De Müren van de Wohnung wassen neit heil dick. S’avends, as seej in hör Bettje lagg, hörde seej dat Strieden. Enkelde Woorden kunn seej neit verstahn. Man Vader bölkde. Mauder blarrde. Seej kroop under de Deken un truck hum bit over de Kopp. Seej namm hör Puppke heil fast in de Arm. Hör lüttje Hartje puckerde. Na ein Sett was dat tau warm un seej kwamm mit de Kopp weer vandag. Tegenan hört seej Mauder tau snuckern. Papa ballerde de Dör achter sück tau un gung tau’t Huus ut. So was dat all siet Dagen. Off noch langer her?
 

 

Wo soll ich hin?
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Sie war ein niedliches Mädchen und noch sehr klein. Aber sie hatte Augen und Ohren. Die Mauern von der Wohnung waren nicht sehr dick. Am Abend, wenn sie in ihrem Bettchen lag, hörte sie das Streiten. Einzelne Worte konnte sie nicht verstehen. Aber Vater brüllte. Mutter weinte laut. Sie kroch unter die Decke und zog sie bis über den Kopf. Sie nahm ihr Püppchen ganz fest in den Arm. Ihr kleines Herz pochte. Nach einer Zeit war das zu warm und sie kam mit dem Kopf wieder hervor. Nebenan hörte sie Mutter (zu) schluchzen. Papa ballerte die Tür hinter sich zu und ging aus dem Haus raus. So war das schon seit Tagen. Oder noch länger her?
 

Ander Mörgen sitten seej as alltied bi de Tavel tau frühstücken. Vör dat Wichtje steiht ein Koppke mit Puderzuckerlaa un ein lecker Stutje. Vader un Mauder kieken sück neit an. Un seggen gein Woord. Seej kieken uk hör Kind neit an. De Ogen van dat Wicht gahn hen un her. Miteins hout seej tegen hör Koppke. Dej fallt um un rullt van de Tavel. Mauder verfehrt sück un seggt: „Kind, wat makst du?“
 

 

Am nächsten Morgen sitzen sie wie immer am Tisch zu frühstücken. Vor dem Mädchen steht eine Tasse mit Kakao und ein leckeres Brötchen. Vater und Mutter gucken sich nicht an. Und sagen kein Wort. Sie gucken auch ihr Kind nicht an. Die Augen von dem Mädchen gehen hin und her. Plötzlich haut sie gegen die Tasse. Die fällt um und rollt von dem Tisch. Mutter erschrickt sich und sagt: „Kind, was machst du?“
 

Vader bölkt:“ Pass doch beter up! Is doch gein Benehmen!“
Mauder hett miteins ein rode Kopp un futert:“ Laat dat Kind in Ruhe! Hett dien Wiev di weer argert? Geiht hör wall neit gau genug!“
 

 

Vater brüllt: „Pass doch besser auf! Ist doch kein Benehmen!“
Mutter hat plötzlich einen roten Kopf und schimpft: „Lass das Kind in Ruhe! Hat dein Weib dich wieder geärgert? Geht ihr wohl nicht schnell genug!“
 

Dat lüttje Wichtje kennt de frömde Frou. Off dat Wiev, as Mauder seggt. Seej hett hör Vader mit de ander Frou seihn, Arm in Arm.  Nu haalt  Mauder hör an:“ Koom bi mi, mien lüttje Tüüt!“  Man hör Handen trillen un dat lüttje Wicht hett weer so’n Kribbeln in de Buuk.
 

 

Das kleine Mädchen kennt die fremde Frau. Oder das Weib, wie Mutter sagt. Sie hat ihren Vater mit der anderen Frau gesehen, Arm in Arm. Nun holt Mutter sie zu sich: „Komm zu mir, meine Kleine.“ (Tüüt ist eine zärtliche Bezeichnung für Kleinkinder) Aber ihre Hände zittern und das kleine Mädchen hat wieder so ein Kribbeln im Bauch.
 

Vader ritt hör weg van sien Frou, striekelt dat Kind over de Kopp un seggt:“ Du bist alltied mien seut Wicht!“ Man sien Ogen bin hart as Iesder un kieken up sien Frou.
 

 

Vater reißt sie weg von seiner Frau, streichelt das Kind über den Kopf und sagt: „ Du bist immer mein süßes Mädchen!“ Aber seine Augen sind hart wie Eisen und gucken auf seine Frau.
 

Mauder un Vader bin utnandergahn. Papa will de ander Frou trouen. Seej hebben sück düchdeg streden um hör Wicht. Un hör uk fragt, waar seej leiver hen wull, na Vader off Mauder. Daar was seej doodstill. Hör Hart hett giert: na jau beiden! Man seggt hett seej: na Mauder. Daar is noch de Oma. Daar is Leivde. Daar is Warmte. Daar is seej boorgen.
 

 

Mutter und Vater sind auseinander gegangen. Papa will die andere Frau heiraten. Sie haben sich tüchtig gestritten um ihr Mädchen. Und sie auch gefragt, wo sie lieber hin wollte, zum Vater oder Mutter. Da war sie totenstill. Ihr Herz hat geschrien: zu euch beiden! Aber gesagt hat sie: zur Mutter. Dort ist noch die Oma. Dort ist Liebe. Dort ist Wärme. Dort ist sie geborgen.
 

Dann is Vader uttrucken. Un hett verskeiden Möbels mitnoomen. Mauder kritt völ. De Mester in de Skaule hett skullen. Dat Wicht mutt beter uppassen. Mauder will sück Wark seuken. Um neeje Möbels tau kopen.. Dann is seej faak tau’t Huus ut. Man Oma is noch da. Nu is weer Freede in de Wohnung. Alle veier Weeke sall dat Wicht na hör Vader. Dat hett man so beproot, as de beiden skett bin. Un na de frömde Frou.
 

 

Dann ist Vater ausgezogen. Und hat verschiedene Möbel mitgenommen. Mutter weint (laut wehklagen) viel. Der Lehrer in der Schule hat geschimpft. Das Mädchen muss besser aufpassen. Mutter will sich Arbeit suchen. Um neue Möbel zu kaufen. Dann ist sie oft aus dem Haus. Aber Oma ist noch da. Nun ist wieder Frieden in der Wohnung. Alle vier Wochen soll das Mädchen zu ihrem Vater. Das hat man so besprochen, als die beiden geschieden wurden. Und zu der fremden Frau.
 

Dat lüttje Wicht hett under hör Koppküssen ein Bild liggen. Ein Bild van hör Vader. Dat nimmt seej elke Avend in de  Hand. Un seggt: „Warum hest du uns verlaten?“
 

 

Das kleine Mädchen hat unter ihrem Kopfkissen ein Bild liegen. Ein Bild von ihrem Vater. Das nimmt sie jeden Abend in die Hand. Und sagt:“ Warum hast du uns verlassen?“
 


Jan Schneeberg
 

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