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Der folgende plattdeutsche Beitrag zeigt auch, dass selbst Klaasohms menschliche Missgeschicke passieren können, die zu Stresssituationen führen können!

Hinweis: Da auch die plattdeutsche Sprache - wie grundsätzlich jede Sprache - oft erst sinnentnehmend erschließbar wird, wurden zum besseren Verständnis der Sprachbildung an speziellen Stellen eine fast wörtliche Übersetzung von Teilsätzen und Begriffen innerhalb runder Klammern ( .. ) aufgezeigt.

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Van grote Klaasohms,
lüttje Deiern un ein Stutenkeerl

 

Van grote Klaasohms,
lüttje Deiern un ein Stutenkeerl
 

 

Von großen Klaasohms,
kleinen Tieren und einem Stutenkerl
(Nikolausgebäck)
 

Wi utwussen Menskenkinder meinen alltied, dat wi de Besten bin un alles weiten, wat in de wiede Wereld gebört. Man stuuv um uns tau koomen wi neit so recht d’r achter, hauvöl Aventüren sück offspölen in de heerleke Natür um uns tau. Dat lüttje Deiern neit unnösel bin, will uns grote Lü neit in de Verstand. Un hau seej sück helpen könen, as d’r ein Mellör is, dat begriepen wi neit.
 

 

Wir ausgewachsenen Menschenkinder meinen immer, dass wir die Besten sind und alles wissen, was in der weiten Welt passiert. Aber direkt bei uns kommen wir nicht so recht dahinter, wie viel Abenteuer sich abspielen in der herrlichen Natur um uns herum. Dass kleine Tiere nicht dumm sind, will uns großen Menschen nicht in den Verstand. Und wie sie sich helfen können, wenn da ein Missgeschick (Unglück) ist, das begreifen wir nicht.
 

Anderlessens hett mi ein Heer vertellt, wat heej sülvst beleevt hett. Dat heit, heej was in de Benaate, man keek as Jan-van-feern tau un hett lüstert. Daar was ein lüttje Strandloper, eine van dej Ssoort dej alltied so iewerg over de Sand lopen an de Strandskante, Sanderling off Grindelk neumen hum uk de Lü. Tiss ein paar Weeke her, daar was heej dör de harde Wind over de Kopp flogen un harr sück de Necke verstuukt. Heej harr düchdeg Piene, man heej wuss, well hum helpen kunn.
 

 

Neulich hat mir ein Herr erzählt, was er selbst erlebt hat. Das heißt, er war in der Nähe, aber guckte wie Jan-aus-der-Ferne zu und hat gelauscht. Da war ein kleiner Strandläufer, einer von der Sorte, die immer so behände über den Sand laufen am Strand, Sanderling oder Grindelk nennen ihn die Leute. Es ist ein paar Wochen her, da war er durch den harten Wind über den Kopf geflogen und hatte sich den Nacken verstaucht. Er hatte ordentlich Schmerzen, aber er wußte, wer ihm helfen konnte.
 

In de Benaate van de Olde Toorn harr de Kattuule sien Hunk un dit Deier wuss alltied Hülpe. Dej grote Vogel mit dat utstroken Gesicht namm hier ein bitje Gras un daar ein paar Helms, plückde van Buss un Tacken versichdeg Bladen un Beejen, smeet alles in ein Pott. Mit de Sleiv fievmal reuern, tweej Dage liggen laten un dann versichdeg dört Halsgatt glieden laten un in ein kaart Settje was de Kranke weer flügg.
 

 

In der Nähe des Alten Turmes hatte die Waldohreule ihr Quartier und das Tier konnte (wusste) immer helfen. Der große Vogel mit dem regungslosem Gesicht nahm hier ein wenig Gras und dort ein paar Halme, pflückte vom Busch und den Zweigen vorsichtig Blätter und Beeren, warf alles in einen Topf. Mit dem Schöpflöffel fünfmal rühren, zwei Tage liegen lassen und dann vorsichtig durch die Kehle gleiten lassen und in kurzer Zeit war der Kranke wieder munter.
 

So was dat uk mit de Kötelduumke, ein Handjevull van Vogel, man alltied kregel un gaud binander. Dat lüttje Vogelke harr siet Dagen Lievpien un was recht labeit. Uk hier hett de Kattuule Hülpe geven un Kötelduumke hett van Harten Dank seggt.
 

 

So war es auch mit dem Zaunkönig, eine Handvoll Vogel, aber immer lebhaft und gut beieinander. Das kleine Vögelchen hatte seit Tagen Leibschmerzen und war recht krank. Auch hier hatte die Eule Hilfe gegeben und der Zaunkönig hatte aus tiefstem Herzen Danke gesagt.
 

Uk de lüttje Spiekermuus was bi de Kattuule an de rechte Stee. Nu seih ik all dat de Mensken de Oogen verdreihen un seggen, dat Musen alltied för de Kattuule ein lecker Mahltied bin. Man ji mutten bedenken, dat de Kattuule all hoog an Jahren was un neit mehr so gau achter de Musen anfleigen kunn un so hett unse Kattuule dat Jagen nalaten. Un hett de Spiekermuus hulpen, dej mit de Steert fastsatt un ein dicke Swelle an de Achtersiet harr.
 

 

Auch das kleine Mäuschen war bei der Eule an der richtigen Stelle. Nun sehe ich schon, dass die Menschen die Augen verdrehen und sagen, dass Mäuse immer für die Eule eine leckere Mahlzeit ist. Aber ihr müsst bedenken, dass die Eule schon hoch an Jahren war und nicht mehr so schnell hinter den Mäusen fliegen konnte und so hat unsere Eule das Jagen nachgelassen. Und hat dem Mäuschen geholfen, die mit dem Schwanz festsaß und eine dicke Entzündung an der Rückseite hatte.
 

De Strandloperke, dat Kötelduumke un de lüttje Spiekermuus wassen gaude Fründen un alle veier Weeke, de erste Middeweek in de Maand kwammen seej binander. Bi de lüttje Kaap, dat lagg neit so wiet weg van de Strand un uk neit van’t Dörp. Seej vertellten, wat seej in letzde Tied beleevt harrn un wassen sück eineg: dat Leven is neit mackelk. Kötelduumke bleev uk winters up’t Eilandje, t’gaff alltied leive Mensken, dej in kolde Maanden ein bitje wat over harrn. Uk de Strandlooper funn noch meisttied ein bitje wat Leckers, bloot vör Iis un Sneej was heej bang. De Spiekermuus muss in de Harvst düchdeg binander haalen, um dör de Winter tau koomen. Un boven up de Kaap satt de Kattuule, lüsterde un see sülvst gein Woord. Ein fiene oldere Heer, dej in sien eigen Welt leevde.
 

 

Der Strandläufer, der Zaunkönig und das kleine Mäuschen waren gute Freunde und alle vier Wochen, den ersten Mittwoch im Monat kamen sie zusammen. Bei dem kleinen Kap, das lag nicht so weit weg vom Strand und auch nicht vom Dorf. Sie erzählten, was sie in letzter Zeit erlebt hatten und waren sich einig: das Leben ist nicht einfach. (Der) Zaunkönig blieb auch im Winter auf dem Eiland, es gab immer liebe Menschen, die in kalten Monaten ein wenig über hatten. Auch der Strandläufer fand noch oft ein wenig Leckereien, nur vor Eis und Schnee war er ängstlich. Das Mäuschen musste im Herbst ordentlich zusammen holen, um durch den Winter zu kommen. Und oben auf dem Kap saß die Eule, lauschte und sagte selbst kein Wort. Ein feiner älterer Herr, der in seiner eigenen Welt lebte.
 

An disse Middeweek, de erste in Dezembermaand, mörgens up Tied, leip dat neit so mit. Kötelduumke kwamm up Tied un verfehrde sück haast up de Dood. Daar hung eine tegen de hollten Pahlen, was neit groot un uk neit lüttjet. Ein runde Kopp, tweej Arms, tweej Beinen, ein Rock an mit grote Knoopen un ein allemachdege Piepe. Ein Rooker. Uk dat noch. Man heej see nix. Wat was dat för ein raar Deier? Uk de Strandloperke harr so ein Figök noch noit seihn. Spiekermuus kwamm dranfleigen un harr de Nöse futt heil boven: Wat ein lecker Gör! Benaud was Spiekermuus neit. Heej gung driest up dat Scheppsel daal un was an ruken: Dat kunn wall Stute wesen un de Knoopen bin Krinten. Wat lecker! Sull ik d’r even in bieten?
 

 

An diesem Mittwoch, der erste im Dezember(monat), frühmorgens, lief das nicht so mit. (Der) Zaunkönig kam beizeiten und erschrak sich beinahe bis auf den Tod. Da hing einer gegen die Holzpfähle, war nicht groß und auch nicht klein. Ein runder Kopf, zwei Arme, zwei Beine, ein Rock mit großen Knöpfen und eine gewaltige Pfeife. Ein Raucher. Auch das noch. Aber er sagte nichts. Was war das für ein merkwürdiges Tier? Auch der Strandläufer hatte noch nie so eine seltsame Gestalt gesehen. Das Mäuschen flog herbei und hatte die Nase sofort ganz oben: Welch ein leckerer Geruch! Ängstlich war das Mäuschen nicht. Es ging dreist auf das Geschöpf los und roch: Das kann wohl Weißbrot sein und die Knöpfe sind Korinthen. Was lecker! Soll ich da eben reinbeißen?
 

Laat de Fingers d’r van, see miteins ein deipe Stemme van boven. Kattuule keek na beneden: Ik weit wat dat för ein raar Dingereis is. Dat is ein Stutenkeerl. Dat maken de Klaasohms för de lüttje Menskenkinder. Vandage is Middeweek, de fievde Dezember un up Börkum fieren seej dat grote Fesche un morgen fraug, heil up Tied, brengen de Klaasohms de lüttje Kinderkes – man blot dej, dej leiv west bin – ein Stutenkeerl un ander Slickereen. Ik kunn mi wall denken, see de Kattuule, dat de Klaasohms de Stutenkeerl verloren hebben. För jau is dej seker neit.
 

 

Lass die Finger davon, sagte plötzlich eine tiefe Stimme von oben. (Die) Eule guckte nach unten: Ich weiß was das für ein merkwürdiges Ding ist. Das ist ein Stutenkerl. Das machen die Klaasohms für die kleinen Menschenkinder. Heute ist Mittwoch, der fünfte Dezember und auf Borkum feiern sie das große Fest und morgen früh, ganz zeitig, bringen die Klaasohms den kleinen Kindern - aber nur denen, die lieb gewesen sind - einen Stutenkerl und andere Schleckereien. Ich kann mir wohl denken, sagte die Eule, dass die Klaasohms den Stutenkerl verloren haben. Für euch ist das sicher nicht.
 

Miteins trillde de Grund. Sware Treden kwammen nahder. De Strandloperke un dat Kötelduumke verstoppden sück achter ein Pahle, Spiekermuus funn ein lüttje Gatt under’t Kaap. Tweeej Keerls, so groot as Booms, kwammen anstappen, mit ein lange witte Rock an, swarte Stevels un ein Gebellskopp mit allemachdege Flögels van groote Kaaben boven drup. Bitau leip noch ein keerlachdeg Froumenske, dej neumten seej Wiefke. Dat wassen de Klaasohms un seej harrn sück in de Haaren: Du Unnösel, see dej eine tegen de ander, ik hebb di alltied seggt, du sallt neit mit de Schuuvkaare so gau um de Hauk fleigen, nu mutten wi de heile Padd offlopen, umdat du Stutenkeerls verloren hest.
 

 

Plötzlich bebte der Boden. Schwere Tritte kamen näher. Der Strandläufer und der Zaunkönig versteckten sich hinter einem Pfahl, das Mäuschen fand ein kleines Loch unter dem Kap. Zwei Kerle, so groß wie Bäume, kamen angestapft, mit einem langen weißen Rock, schwarzen Stiefeln und einer Maske mit gewaltigen Flügeln von großen Möven oben drauf. Daneben lief noch eine männliche Frau, den nannten sie Wiefke. Das waren die Klaasohms und sie hatten sich in den Haaren: Du Dummkopf, sagte der eine zum anderen, ich habe dir immer gesagt, du sollst nicht so schnell mit der Schubkarre um die Ecke fliegen, jetzt müssen wir den ganzen Pfad absuchen, weil du den Stutenkerl verloren hast.
 

Hör up tau lüllen, was de ander Klaasohm an bölken, du mit dien laame Flunke un dien pienelke Fauten kummst ja haast gein Stapp vörut. Wull man up di wachten, luuren de Börkumers noch um Neejahr up Klaasohm. Nu hollt man Freede, see dat Wiefke, wi hebben noch büllten Drockde. Wi mutten na dat grote Kaap taurügg, de Junges van de Verein komen all mit Skuppe un Spaa un willn uns utgraven. Hören ji all de Hoorns, de Düwelsgeigen un de Büssen an’t rappeln? Griep de Stutekeerl un legg hum versichdeg up de grote Büllte, umdat  wi mörgen fraug nümege Kinderoogen seihn.
 

 

Hör auf zu faseln (dummes Zeug reden) brüllte der andere Klaasohm, du mit deinem lahmen Arm und deinen schmerzenden Füßen kommst ja keinen Schritt voraus. Wollte man auf dich warten, lauern die Borkumer noch um Neujahr auf den Klaasohm. Nun haltet mal Frieden, sagte das Wiefke, wir haben noch viel Hochbetrieb. Wir müssen zum großen Kap zurück, die Jungs vom Verein kommen schon mit Schaufel und Spaten und wollen uns ausgraben. Hört ihr schon die Hörner, die Teufelsgeigen und die Dosen am rappeln? Pack den Stutenkerl und lege ihn vorsichtig auf den großen Haufen, damit wir morgen früh allerliebste Kinderaugen sehen.
 

Un gau wassen seej weer um de Hauk. Kötelduumke un Strandloperke keken staff un wassen ein bitje benaud. Dat bin de Klaasohms? Dej Baul willn wi vanavend bekieken. Off de Klaasohm wall uk för mi ein Stutekeerl over hett?, fragde de Spiekermuus. Wiss neit, see de Kattuule, dat is wat för lüttje Menskenkinder, man bloot as seej hör Sprökje kennen:
 

 

Und schnell waren sie wieder um die Ecke. Strandläufer und Zaunkönig guckten erstaunt (fassungslos) und waren ein wenig ängstlich. Das sind die Klaasohms? Die Sache wollen wir uns heute abend begucken. Ob der Klaasohm auch wohl für mich einen Stutenkerl über hat? fragte das Mäuschen. Bestimmt nicht, sagte die Eule, das ist etwas für kleine Menschenkinder, aber nur wenn sie den Spruch kennen:
 

      Sünnerklaas du gaude Blaut,
      geev mi’n Stückje Zuckergaud,
      neit tau völ un neit tau minn,
      smiet man in de Schkösstien in.
      Mit ein Endje Band daran,
      dat ik’t uk berecken kann.
       

 

      Sünnerklaas, du gutes Blut,
      gib mir ein Stückchen Zuckergut,
      nicht zu viel und nicht zu wenig,
      wirf es ruhig in den Schornstein rein.
      Mit ein Stückchen Band daran,
      das ich es auch erreichen kann.
       



Jan Schneeberg
 

Van grote Klaasohms,
lüttje Deiern un ein Stutenkeerl

Van grote Klaasohms,
lüttje Deiern un ein Stutenkeerl

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