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Der folgende schöne plattdeutsche Beitrag beschreibt nicht nur das Klaasohmfest, sondern erzählt auch, wie zwei sich liebende sich fanden.

Hinweis: Da auch die plattdeutsche Sprache - wie grundsätzlich jede Sprache - oft erst sinnentnehmend erschließbar wird, wurden zum besseren Verständnis der Sprachbildung an speziellen Stellen eine fast wörtliche Übersetzung von Teilsätzen und Begriffen innerhalb runder Klammern ( .. ) aufgezeigt.

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Klaasohm - der Ehestifter

 

Klaasohm - ein hooge Fierdag!
 

 

Klaasohm – ein hoher Feiertag
 

Grootmauder, du hest uns noch noit vertellt, hau dat was mit dien Mann, unse Opa.
 

 

Großmutter, du hast uns noch nie erzählt, wie das war mit deinem Mann, unseren Opa.
 

Hau bin ji binander koomen?
 

 

Wie seid ihr zusammen gekommen?
 

Dat was up Klaasohmavend. Dat liggt ja nu all Jahren taurügg un dej Tieden was heil anders as vandage. He was ein Börkumer Jung, man unse Familie leevde in de Südhauk un sien Lü in de Noordhauk. He was tweej Klassen over mi in de Skaule un wi bin uns neit faak over de Padd lopen. Achteran kwamm he bi ein Baas un wuur Müürmann.
 

 

Das war auf dem Klaasohmabend. Das liegt ja jetzt schon Jahre zurück und die Zeiten waren ganz anders als heute. Er war ein Borkumer Jung, aber unsere Familie lebte im Süden (Südecke) und seine Leute im Norden (Nordecke). Er war zwei Klassen über mir in der Schule und wir sind uns nicht oft über den Weg gelaufen. Später kam er zu einem Meister und wurde Maurer.
 

Dann kwamm de fievde Dezember. De hoogste Fierdag seggen de Börkumers, man dat was mehr wat för de Keerls. Wi Wichter wassen doodsbenaut un hebben uns de Baul as Jan-van-Feern ankeeken. Man neesgierig wassen wi uk. Dat Gedrüüs up de Straten, dej Fleigereej un Gebölken, de Hoorns an tuten, de Düwelgeigen tau Moord maken, daar fangt dien Hartje all an tau puckern.
 

 

Dann kam der fünfte Dezember. Der höchste Feiertag sagen die Borkumer, aber das war mehr etwas für die Kerle. Wir Mädchen waren überaus ängstlich (totängstlich) und haben uns die Sache als „Jan-von-Weitem“ angeguckt. Aber neugierig waren wir auch. Der Trubel auf den Straßen, die Lauferei und das Getöse, die Hörner am tuten, die Teufelsgeigen am Krach machen, da fängt dein Herzchen schon an zu pochen.
 

Achteran loopen bin wi noit. Wi satten meisttied achter de Ruuden in ein Huus un hebben uns de Loop van binnen bekeken. An disse Dag harr uns Jan-Ohm inladen. He harr ein Koopmannsladen un he see: Hier bin ji Wichter gaud boorgen. De Klaasohm kummt neit binnen.

 

 

Hinterher gelaufen sind wir nie. Wir saßen fast immer hinter den Fensterscheiben in einem Haus und haben uns den Lauf von innen beguckt. An diesem Tag hatte uns Onkel Jan eingeladen. Er hatte einen Kaufladen und er sagte: Hier seid ihr Mädchen gut geborgen. Der Klaasohm kommt nicht rein.
 

Man he hett uns ansmeert. Wi – ein Koppel Wichter un Froulü – hebben docht, de Drockde was vörbi un satten moij bedaad in de Köken bi ein Koppke mit Puderzukerlaa, as miteins de Achterdör open floog un de Klaasohms binnen bruusden. Ein paar van de Wichter hebben noch de Kurs kreegen un hebben sück in't Vörhuus under de Bedden verstoppt, man dej andern satten in de Kniep.
 

 

Aber er hat uns angeschmiert. Wir – eine Gruppe von Mädchen und Frauen – haben gedacht, die Unruhe wäre vorbei und saßen schön ruhig bei einer Tasse Kakao, als plötzlich die Hintertür aufflog und die Klaasohms herein brausten. Einige Mädchen haben noch die Kurve (den Kurs) gekriegt und haben sich im Vorderhaus unter den Betten versteckt, aber die anderen saßen in der Klemme.

Jau Opa was tau dej Tied Bilooper un harr de Upgave, de Wichter na de Klaasohm tau sleepen, umdat seej ein paar Klappen mit dat Hoorn up't Achterende kregen. Ik stunn naast de Kökenskapp un trillde an't heile Leven. Dat was ein Gielen un Galpen un Moord in de Köken, daar was dat Ende van weg. Un dann maakde jau Opa wat, dat harr he neit dorst, dann harrn de ander Junges hum düchdeg utskullen. He hett sück slichtweg vör mi henstellt un hett so daan, as off ik d'r neit was. 
 

 

Euer Opa war zu der Zeit Mitläufer (Beiläufer) und hatte die Aufgabe, die Mädchen zum Klaasohm zu schleppen, damit sie einige Klapse mit dem Horn auf die Rückseite bekamen. Ich stand neben dem Küchenschrank und zitterte am ganzen Leben. Das war ein Geschrei und Gekreische und Krach in der Küche, das war unglaublich. Und dann machte euer Opa etwas, das hätte er nicht gedurft, dann hätten die anderen Jungs ihn ordentlich ausgeschimpft. Er hat sich einfach vor mich hingestellt und hat so getan, als ob ich nicht da wäre.
 

Ik keek up sien breide Rügge, dej moje Haaren un hebb bi mi docht: wat ein schiere Fent. As de Drockde vörbi was un de Klaasohms weer ankerup gungen mit büllten Gebölk, hett he sück na mi umdreiht, was an't smüsterlachen un hett seggt bit andermal. Un so is dat uk koomen. Tau Begünn hebben wi uns stiekum truffen, man up't Eilandje wuss dat bold elk un ein, dat wi ein Paar wassen.
 

 

Ich blickte auf seinen breiten Rücken, den schönen Haaren und habe bei mir gedacht: was für ein hübscher Bursche. Als die Hektik vorbei war und die Klaasohms weiter gingen (Anker auf) mit viel Geschrei, hat er sich zu mir umgedreht, hat geschmunzelt und gesagt bis nächstes Mal. Und so ist es auch gekommen. Zu Anfang haben wir uns heimlich getroffen, aber auf dem Eiland wusste bald jeder, das wir ein Paar waren.
 

Wi bin uk ja binander bleven, ik hebb noit ein ander hatt. Un dann kwammen unse Kinder un wi hebben alltied de olde Bruukdoom hoog holden un up Klaasohmavend ein Teller upstellt un kiek, ander mörgen was dat Greunkohlblatt weg un drup lagg ein Stutekeerl off ander Slickergaud.
 

 

Wir sind ja auch zusammen geblieben, ich habe nie einen anderen gehabt. Und dann kamen unsere Kinder und wir haben immer den alten Brauch hoch gehalten und am Klaasohmabend einen Teller aufgestellt und guck, am nächsten Morgen war das Grünkohlblatt weg und darauf lag ein Stutenkerl oder andere Schleckereien.
 

 Un weiten ji wall, wat mien Mann alltied dee up Klaasohmavend? He hett uk för mi ein Teller an't Fenster stellt un ander Mörgen lagg da ein Blaumke off ein Kische mit heil lecker Pralines un as wi besünder Hochtiedsjahren harrn uk wall mal ein sülvern Kettje. Dann gaff he mi ein Sauntje un hett seggt, dat de Börkumer Klaasohm ein doodsgaude Keerl was un hum dat Allerleivste van de Wereld brocht hett.
 

 

Und wisst ihr (wohl), was mein Mann immer machte am Klaasohmabend? Er hat für mich einen Teller ans Fenster gestellt und am nächsten Morgen lag da ein Blümchen oder ein Kästchen mit ganz leckeren Pralinen und als wir besondere Hochzeitsjubiläen hatten auch mal eine silberne Kette. Dann gab er mir ein Küsschen und hat gesagt, dass der Borkumer Klaasohm ein herzensguter Kerl sei und ihm das Allerliebste auf der Welt gebracht hat.
 

Kiek un daar tehr ik vandage noch van un uk för mi as Frou is Klaasohm up Börkum de hoogste Fierdag in't Jahr.
 

 

Sieh und davon zehre ich heute noch und auch für mich als Frau ist Klaasohm auf Borkum der höchste Feiertag im Jahr.
 


Jan Schneeberg
 

Klaasohm - der Ehestifter

Klaasohm - der Ehestifter

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